Saarbrücker Professoren warnen vor immensem Aufwand für IAS/IFRS
Internationale Rechnungslegung wäre Gift für den Mittelstand

Der bekannte Bilanzenspezialist Karlheinz Küting will die Rechnungslegungswelt aufrütteln. Deutschlands Rechnungsleger sind gerade dabei, relativ geräuschlos die Bilanzierung der börsennotierten Konzerne von nationale auf internationale Regeln umzustellen: „Wir sind alle geblendet worden, als gesagt wurde, wenn die internationale Bilanzierung kommt, wird alles besser“, warnt Küting.

HB DÜSSELDORF. Auf einer eigens von ihm einberufenen Tagung artikulierte der Saarbrücker Wirschaftswissenschaftler seine Kritik: Die internationalen Bilanzierungsregeln wären Gift für den Mittelstand, würden sie denn auf ihn angewendet werden. Zwar droht vordergründig keine Gefahr: Die Gesetze schreiben IAS/IFRS (International Accounting Standards/ International Financial Reporting Standards) zunächst nur für Konzerne vor, die sich über Aktienausgaben oder Anleihen finanzieren. Doch das bedeutet keine Sicherheit für andere: „Die Erfahrung lehrt, dass es auf Dauer kein Zweiklassen- Bilanzrecht geben wird“, sagt Küting mit Blick auf frühere Regelungen im Bilanzrecht, die zunächst nur für Aktiengesellschaften gegolten hatten, dann aber nach und nach als Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung allgemein verbindlich wurden.

Das sieht Harald Langenfeld, Vorstand der Sparkasse Saarbrücken, ähnlich: „Die internationalen Regeln werden sich auf längere Sicht in der gesamten Wirtschaft durchsetzen.“ Auch Unternehmen, die weiter nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzieren, weil sie nicht kapitalmarktorientiert sind oder nur einen Einzelabschluss und keinen Konzernabschluss vorlegen müssen, bleiben für Langenfeld wahrscheinlich nicht von den Änderungen verschont: „Internationale Elemente werden auch ins HGB einfließen.“

Für den Mittelstand bedeutet dieser Trend „erhebliche Investitionen in den Mitarbeiterstamm in Gestalt von Schulungen“, ist Küting überzeugt. Hinzu kommen ganz neue Anforderungen an die Informationstechnik: Die internationale Rechnungslegung bringt neuartige Geschäftsvorfälle mit sich, erfordert eine andere Gliederung und neue Rechenwerke wie die Segmentberichterstattung und die Kapitalflussrechnung.

Doch es bleibt nicht beim einmaligen Umstellungsaufwand: „Mindestens ebenso ins Gewicht fallen die Folgekosten. Internationale Rechnungslegung bedeutet in jedem Fall Mehrarbeit“, schimpft Küting. Vor allem deswegen, weil auch bei einer Konzernbilanz nach IFRS/IAS bei den Töchtern im Einzelabschluss die Bilanzierung nach dem HGB erhalten bleibt: Denn auf dieser Basis werden weiterhin Gewinnausschüttung und Steuern berechnet.

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