Saftmanufaktur Perger
Perger: Hauptsache keiner redet rein

Mit Kreativität und Erfindergeist entwickelt die Saftmanufaktur Perger die ungewöhnlichsten Fruchtsäfte. Wie der Mittelständler vom Ammersee seine Investitionen so finanziert, dass keine Bank den Fuß in den Familienbetrieb bekommt.

BREITBRUNN. Es schmeckt wie Wein, ist aber tatsächlich ein Saft und enthält auch keinen Alkohol - das ist Johannes Freiherr von Pergers neueste Erfindung. Mit einem Mix aus Birne, Holunder und Kirsche empfindet der Oberbayer zum Beispiel einen kräftigen Merlot nach, mit Mandarine, Holunder und Traube einen Burgunder.

Aus Birne und Mandarine baut er einen Riesling nach. Den Großteil der verarbeiteten Früchte baut er selbst an, in seinen Flaschen landet ausschließlich Bioobst. Fünf Weinsaftkreationen hat Perger vor kurzem auf dem Markt eingeführt. Insgesamt kommen aus Johannes Freiherr von Pergers Saftmanufaktur 75 verschiedene Limonaden, Schorlen, Säfte und Sirups: "Wie ein Koch habe ich viele Geschmäcker im Kopf und kombiniere, was ich schon kenne, mit Neuem", erzählt der Saftfabrikant aus Breitbrunn am Ammersee. Erste Tester sind immer seine Familie, seine Frau Paula und seine vier Kinder - und seine Mitarbeiter. Mit diesen Innovationen will der Familienunternehmer in zweiter Generation seinen Umsatz in den nächsten drei Jahren auf 4,5 Millionen Euro steigern.

Kein einfaches Unterfangen, doch liegen Kreativität, Erfindergeist "und ein bisschen Verrücktheit" in der Familie, wie der 45-Jährige selbst sagt. 2008 erwirtschaftete die Saftmanufaktur mit ihrem Öko-Getränkegroßhandel 3,3 Millionen Euro Umsatz, wovon zwei Millionen auf die Säfte entfielen. Für dieses Geschäftsjahr, das bis Ende Juni läuft, erwartet Perger ein Wachstumsplus von sieben Prozent. Für das nächste peilt er gar zwölf bis 15 Prozent Wachstum an. Das meiste aus seinem Sortiment verkauft Perger in Süddeutschland in Reformhäusern, Naturkostläden und im Getränkefach- oder Lebensmittelhandel. Nicht zu vergessen der eigene Hofladen, den seine Frau Paula betreibt.

Begonnen hatte alles vor 60 Jahren, als sein Vater Maximilian von Perger - auf der Flucht vor den Russen aus Böhmen - 1945 nach Breitbrunn kam. Der begann in einem Badehaus Zuckerrübensirup einzukochen - bis er einen ausgebrannten Zugwaggon entdeckte. Aus diesem zimmerte der "gigantische Improvisator", wie der Sohn seinen Vater nennt, eine Apfelpresse, gründete im Jahr 1949 die Firma Perger und presste das Obst der Bauern. Einen Vertrieb gab es nicht. Auch knapp 30 Jahre später nicht, als der zweitgeborene Sohn Johannes 1986 die Kelterei und fünf Hektar Land übernahm. "Da wurde einfach vom Hof weg verkauft", erinnert sich Perger. Damals machte der Betrieb 220 000 Mark Jahresumsatz, und den wollte der 24-jährige Perger steigern.

Nur wie, war die Frage. Doch im Entwickeln neuer Ideen war Perger junior als gelernter Werkzeugmacher schon vorher gut: Neben seinem Job bei Siemens verkaufte er schon mit 23 Jahren selbst gebastelte Surfbretter an die Dorfjugend. Und während seiner Lehre als Gärtner an der Fachhochschule Weihenstephan wurde ihm sein Ziel klar: nämlich "Geschmacksqualität im Einklang mit der Natur herzustellen", erzählt er. Nachdem ihm sein Vater den Betrieb übergeben hatte, trat er dem Bioanbauverband Bioland bei, stellte auf ökologischen Landbau um und produzierte ausschließlich Biosäfte mit "sortentypisch etwas herberen Aromen, nicht so süß, blumig und angepasst wie die unserer Mitbewerber", schildert Johannes Perger.

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