Sanierungsbedürftige Unternehmen
Turnaround-Berater am Werk

Es gibt in Deutschland Hunderte kleine Firmen, die sich am Abgrund bewegen. Das notwendige Kapital für Investitionen in neue Maschinen, die Entwicklung von Produkten oder die Expansion ins Ausland fehlt. Und die Banken sind nicht gerade spendabel. Der Einstieg eines neuen Investors kann da ebenso helfen wie das Zusammengehen mit anderen Firmen unter einer Holding.

HAMBURG. Beispiel Hubtex in Fulda: Der kleinere Hersteller von speziellen Elektro-Seitenstaplern ging aus der Vorgängerfirma Schultheis hervor, die Pleite gemacht hatte. Die Geschäftsführer wollten ihr Lebenswerk und die Arbeitsplätze am Ort erhalten. Wulf-Dieter Greverath sprang ein. Der Hamburger hatte einen großen Teil seines Vermögens beim Hamburger Spezialunternehmen für maritimen Oberflächenschutz Muehlhan gemacht, wo er von 1981 bis 2005 geschäftsführender Gesellschafter war. Mit dem Börsengang verabschiedete sich Greverath aus dem Tagesgeschäft in den Aufsichtsrat. Doch zur Ruhe hat sich der heute 62-Jährige nicht gesetzt. Er ist nun als Sanierer unterwegs. In den vergangenen Jahren hat er aus mehreren, zum Teil maroden Betrieben gesunde Firmenpakete geschnürt.

Staplerbauer Hubtex bündelte Greverath mit zwei anderen Nischen-Maschinenbauern unter einem Holdingdach: Genkinger in Münsingen und Stabau in Meschede. Er senkte die Kosten und hob Synergien. Nachdem er bei Genkinger die Passivseite saniert hatte, war es vor allem die Bündelung der drei Firmen, die neue Kräfte hob. So wurde der Einkauf gebündelt und gemeinsame Messeauftritte organisiert. „Ein Betrieb alleine hätte das nicht stemmen können, der Verbund des Trios aber macht es möglich“, sagt Greverath. Heute setzen die drei Unternehmen und deren Töchter zusammen rund 80 Mill. Euro um und sind, so Greverath, „kerngesund“. Der Sanierer hat Kasse gemacht und 51 Prozent seiner Anteile 1998 an leitende Mitarbeiter verkauft.

Stefan Weniger, Vorstand der Berliner Turnaround Beratung CMS AG, sieht hier einen Trend: „Gerade bei kleineren Mittelständlern, die Nischenprodukte herstellen, beobachte ich die Suche nach Holding-Modellen immer häufiger und unterstütze die Beteiligten in ihrem Vorhaben. Dies ist eine intelligente, kreative Form der Unternehmenssanierung.“ Laut Michael Saak, Niederlassungsleiter von HSBC Trinkaus in Hamburg, entstehen diese Zusammenschlüsse oft unter einem erfahrenen Manager, der sein Netzwerk dazu einsetzt. „Ich kenne einige Holdingmodelle, die über einen gemeinsamen neuen Boss zusammen in eine neue Liga aufgestiegen sind. Die einzelnen neuen Firmenfamilienmitglieder müssen aber auch gut zusammenpassen, damit diese Strategie funktioniert.“

Greverath sorgt bei Sanierungen zunächst dafür, dass Banken, Lieferanten und Beschäftigte auf Forderungen verzichten. Auch die Altgesellschafter müssen teilweise erhebliche Summen abschreiben. Dann steigt er mit eigenem Kapital und Darlehen ein. Er sortiert die Führungsmannschaft aus, holt neue Manager, motiviert die vorhandenen. Ein besseres Berichtswesen und Controlling seien zudem „das A und O“ der Sanierung – neben Ratschlägen, Kontakten und Zuhören.

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