Sanierungsmöglichkeiten
Der Pleite entgehen

Pro Tag melden in Deutschland rund 80 Unternehmen Insolvenz an. Doch so weit muss es in kaum einem Fall kommen, da sind sich die Experten einig. Denn es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, der Pleite zu entgehen. Manche sind aber recht schmerzhaft: für Unternehmen und Unternehmer.

DÜSSELDORF. „Bei vielen Unternehmen, die sich an uns wenden, ist es leider schon zu spät. Da spricht man dann nur noch über die Abwicklung der Insolvenz“, sagt Jens Hüper, Geschäftsführer bei der IHK Düsseldorf. In diesem Punkt sind sich alle Experten einig. „Irgendwann gibt niemand mehr einen Rat, weil das Unternehmen den Rat nicht mehr bezahlen kann“, erläutert Hüper. Wichtigste Voraussetzung für die Rettung des Unternehmens sei es daher, die Krise frühzeitig zu erkennen, ihre Ursachen zu ergründen und so schnell wie möglich gegenzusteuern.

Doch zweifelsohne ist das Eingeständnis einer Krise für jeden Unternehmer ein schwerer Gang: Gerade an inhabergeführten Unternehmen hängt nicht nur das Wohlergehen der Angestellten, sondern auch die Leidenschaft des Eigentümers selbst. Der wartet im Zweifel lieber noch ein bisschen ab, ob nicht doch noch neue Aufträge erteilt werden, ob die Schuldner nicht doch noch rechtzeitig zahlen und ob die Banken nicht doch noch zusätzliche Kredite bewilligen. Aber das „Prinzip Hoffnung“ ist oft der Anfang vom Ende.

Es gibt allerdings Frühindikatoren, die auf eine Krise hinweisen: Die Anfragen sind rückläufig, während die Reklamationsquote steigt und die durchschnittlichen Auftragswerte sinken. Gerade kleinere Unternehmen führen nach den Erfahrungen der Insolvenzexperten aber oft nicht genau genug Buch über diese Zahlen. Doch spätestens einige Wochen, bevor der letzte Euro verbraucht ist und die Zahlungsunfähigkeit droht, wird die existenzielle Krise in jedem Fall offensichtlich. Selbst zu diesem Zeitpunkt kann einem Krisenunternehmen noch geholfen werden.

Banken blockieren

Der unabhängige Fachmann tritt auf den Plan. Er kann nüchterner als der Firmenchef, dessen Herzblut im Unternehmen steckt, nach den Ursachen der Misere fahnden. Aufgrund seiner Erkenntnisse erstellt er ein Sanierungskonzept und muss letztlich die Kreditgeber und Gesellschafter davon überzeugen, dass sein Weg aus der Krise führt.

Häufig arbeiten am Ende aber doch nicht alle Beteiligten zusammen. Gerade Banken tun sich oft schwer damit, in der Krise Einigkeit zu erzielen, zum Beispiel weil ihnen das Ausfallrisiko größer erscheint als die Chancen zur Sanierung des Unternehmens. Sanierungen scheitern so häufig an „überzogenen Forderungen“ der Verhandlungspartner, sagt Wirtschaftsprüfer Andreas Crone. „Wichtig ist, immer zu wissen, was der andere am Tisch denkt“, schreibt er in seinem jüngst erschienenen „Handbuch Modernes Sanierungsmanagement“. Crone führt als Beispiel den Unternehmer an, der sich einen hohen Kredit wünscht, um sein verschuldetes Unternehmen retten zu können, wohingegen die Bank für einen Kredit hohe Sicherheiten verlangt, um das Risiko zu minimieren. Beide Seiten sind gar nicht in der Lage, die Forderungen zu erfüllen.

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