Sanierungsreife Unternehmen als Ziel
PE-Fonds stehen unter Zugzwang

Beteiligungsgesellschaften stehen mit ihren Private Equity Fonds unter hohem Investitionsdruck. Die Fonds streiten sich um wenige am Markt angebotene interessante Unternehmen.

Beteiligungsgesellschaften stehen mit ihren Private Equity Fonds unter hohem Investitionsdruck. Die Fonds streiten sich um wenige am Markt angebotene interessante Unternehmen. So werden Preise gezahlt, die Branchenkenner als zu hoch bewerten. Das Problem liegt darin, dass die Anbieter von Private Equity (PE) in Zugzwang kommen und investieren müssen. Die Kassen sind gefüllt und die meist großen institutionellen Investoren wollen Erfolge sehen. Bislang werden jedoch nur wenige „Einkäufe“ getätigt. Diese aber sind Voraussetzung dafür, dass Investoren auch weiterhin neues Kapital zur Verfügung zu stellen.

Aus dieser Misere heraus hat sich ein neuer Trend entwickelt. Statt, wie sonst üblich, in gesunde Unternehmen mit positivem und solidem Cash Flow zu investieren, haben sich einige - vornehmlich angelsächsische - Private Equity-Firmen auf Sanierungsfälle spezialisiert. Sie kaufen Krisenunternehmen ihre Schulden ab und übernehmen dann als größter Gläubiger die Kontrolle über das Unternehmen. Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung sind hierbei die am häufigsten auftretenden Merkmale für eine wirtschaftliche Notlage. Die Zielkandidaten weisen eine niedrige Bewertung auf und sind folglich zu einem günstigen Preis zu erwerben.

Die Strategie der oftmals auch als „Vultures“ oder „Geierfonds“ betitelten Beteiligungsfirmen ist es, die Unternehmen nach der Akquisition, auch Buyout genannt, zu sanieren und dann mit der erzielten Wertsteigerung wieder zu verkaufen. Teilweise werden Unternehmen auch aufgeteilt und direkt in mehreren „Stücken“ weiterverkauft. Die Schuldenübernahme erfolgt als so genannter Debt-Equity-Swap, d. h. die Verbindlichkeiten des Zielunternehmens werden zu Buchwerten in Eigenkapital umgewandelt. Dies geschieht durch Umwandlung von Fremdkapital in Mezzanine-Kapital, in der Regel durch eine atypische stille Beteiligung oder die Ausgabe von Genussrechten.

Das atypisch stille Gesellschafts- bzw. Genussrechtskapital wird bei entsprechender Ausgestaltung der Beteiligungsbedingungen in der Bilanz als Eigenkapitalersatz ausgewiesen und erhöht so die Eigenkapitalquote bei gleichzeitiger Verminderung der Verbindlichkeiten. Durch diese Optimierung der Bilanzstruktur wird nicht nur die Bonität und das Rating des Unternehmens verbessert, sondern es ist vor allem wesentlich einfacher, einen Käufer für das nunmehr schuldenfreie Unternehmen zu finden.

Noch sind es überwiegend US-Firmen, die sich hierauf spezialisiert haben. Insolvenzrekorde in Deutschland machen die Auswahl an Investitionsobjekten nicht schwer. Natürlich gibt es auch schwarze Schafe am Markt. Mit dem einzigen Ziel, einen schnellen und möglichst hohen Gewinn zu machen, werden Zielunternehmen auch schon mal in die Insolvenz gedrängt. Dadurch kann sich die Investmentfirma einen Vorteil gegenüber den Gesellschaftern und anderen Gläubigern verschaffen. Oder das Unternehmen wird rücksichtslos zerschlagen - Gordon Gekko lässt grüßen. Die als „Corporate Raider“ beschimpften Fonds und deren Investitionsphilosophie muss nicht notwendigerweise schlecht sein. Die aggressive Vorgehensweise der Fonds ist ein Katalysator des deutschen Strukturwandels.

Natascha Grosser ist Rechtsanwältin in Voerde am Niederrhein.

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