Schalke-Boss Tönnies
„Die Mannschaft würde gerne einmal den Kreml sehen“

Zwei Posten, zwei Probleme: Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Fleischfabrikant und Aufsichtsratschef von Schalke 04, Clemens Tönnies, über den Familienstreit im Unternehmen und den Gazprom-Deal bei Schalke.
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DüsseldorfDer Fleischfabrikant und Aufsichtsratsvorsitzende von Schalke 04, Clemens Tönnies, deutet erstmals einen Kompromiss im Familienstreit mit seinem Neffen Robert an. Im Exklusiv-Interview mit dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) betont Tönnies, Veränderungen offen gegenüberzustehen. „Ich will kein Patriarch sein, sondern ein Teamplayer.“ Er wäre dazu bereit das doppelte Stimmrecht, über das er aktuell auf Lebenszeit verfüge, auf jene Dauer zu befristen, in der er „selbst im Konzern arbeite oder eine Kontrollfunktion innehabe“.

Tönnies und sein Neffe halten je 50 Prozent der Anteile des größten deutschen Fleischkonzerns. Aktuell streiten die beiden vor Gericht, wer künftig die Entscheidungsmacht im Unternehmen haben soll. Tönnies will die Leitung des Familienkonzerns institutionalisieren: „Ein Unternehmen unserer Größe muss der Beste führen. Chef soll der sein, der es kann, und nicht der, der zufällig den gleichen Namen hat wie ich“.

Trotz massiver Kritik angesichts der Krim-Krise am Hauptsponsor von Schalke 04, dem russischen Staatskonzern Gazprom, will Tönnies das Engagement des Erdölkonzerns bei dem Bundesligisten nicht überdenken. „Verträge sind einzuhalten und Verbindungen dürfen nicht abbrechen.“ Gazprom habe sich Schalke gegenüber immer hervorragend verhalten, die Zusammenarbeit stehe deswegen nicht infrage. Trotzdem könne Russland nicht tun und lassen, was es wolle. „Sollen wir einen Weltkrieg provozieren, oder was? Uns ist nicht egal, was Russland macht – da haben wir ein hohes Maß an Verantwortung. Aber es wird eine Zeit nach der Krise geben. Wir dürfen nicht alle Bande zerreißen.“

Der Einladung des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, ihn doch einmal mitsamt der Mannschaft von Schalke 04 in Moskau zu besuchen, will Tönnies weiterhin nachkommen. Allerdings: „Sicher nicht vor der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer.“ Der russische Präsident habe derzeit wichtigere Themen auf der Tagesordnung. Die Mannschaft würde aber „gerne einmal den Kreml sehen und interessiert sich für Moskau“. Es gehe nicht alleine um Putin.

Einen Zusammenhang zwischen dem Sponsoring von Gazprom bei Schalke 04 und den Plänen von Tönnies mit seinem Fleischunternehmen 600 Millionen Euro in Russland zu investieren, bestreitet Tönnies. „Das ist verquer.“ Das Gazprom-Engagement sei schon lange vor dem Russland-Investment seiner Firma fixiert worden. „Ich baue doch dort keine Mastanlagen, weil Gazprom Schalke sponsert. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir wurden gefragt, ob wir dazu bereit sind, uns beim Aufbau einer Schweinezucht in Russland zu engagieren. Natürlich machen wir das.“ Russland sei ein attraktiver Markt.

Kommentare zu " Schalke-Boss Tönnies: „Die Mannschaft würde gerne einmal den Kreml sehen“"

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  • Wurst und Fussball scheinen irgendwie zusammenzugehören.

  • Zitat : Die Mannschaft würde aber „gerne einmal den Kreml sehen und interessiert sich für Moskau“.

    - die sollten sich halt mal für internationale Wettbewerbe qualifizieren und gegen Russische Mannschaften antreten. Dann könnten sie auch nach Moskau reisen. So einfach ist die Welt.

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