Schlechte Aussichten
Mehr Unternehmensinsolvenzen in Europa

In den vergangenen Tagen meldeten Märklin und Schiesser Insolvenz an. Ihnen werden in diesem Jahr wohl weitere Unternehmen folgen. 2008 ist angesichts der Wirtschaftskrise die Zahl der Unternehmenspleiten in Westeuropa erstmals seit 2004 wieder in die Höhe geschnellt. Ein weiterer Anstieg wird für 2009 erwartet.

HB DÜSSELDORF. Insgesamt mussten 2008 in den EU-15-Staaten sowie Norwegen und der Schweiz 150 000 Firmen Insolvenz anmelden, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag in Düsseldorf mit. Das waren elf Prozent mehr als im Vorjahr. Für das laufende Jahr rechnen die Experten mit einem noch deutlicheren Anstieg auf 170 000 bis 175 000 Insolvenzen.

Nur in drei der 17 untersuchten Länder waren die Zahlen 2008 rückläufig: Die Niederlande, Luxemburg und die Schweiz verzeichneten den Angaben zufolge weniger Unternehmenspleiten als 2007. Die stärksten Anstiege gab es in Spanien (plus 138,6 Prozent) und Irland (plus 120,8 Prozent). In Deutschland stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 2,2 Prozent auf 29 800, für 2009 werde ein weiterer Anstieg auf 33 000 bis 35 000 Fälle erwartet.

Großpleiten wie bei Sinn-Leffers und Hertie in der Jahresmitte und die ersten Opfer der Autokrise bei den Zulieferern seien "ein Signal für die Entwicklung", sagte Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Rödl. Auch 2009 werde ein schwieriges Jahr für die deutsche Wirtschaft werden. Allerdings habe man nicht die Absicht, sich an "Horror-Prognosen" zu beteiligen - im Vergleich mit früheren Krisen seien die deutschen Firmen diesmal besser für die Entwicklung gerüstet, fügte er hinzu. "Die Unternehmen haben diesmal früher reagiert."

Die Experten wiesen auch auf die Konjunkturpakete der Bundesregierung hin: "Diese Maßnahmen dürften im Verlauf des Jahres Wirkung entfalten und den schlimmsten Absturz verhindern." Auch Preissenkungen bei Energie und Kraftstoffen unterstützten die private Nachfrage.

Derweil ist die Zahl der Privatinsolvenzen im vergangenen Jahr zurückgegangen: 291 380 Personen meldeten den Angaben zufolge in Westeuropa Insolvenz an, 2007 waren es noch 302 392 gewesen. In Deutschland verringerte sich die Zahl der Verbraucherinsolvenzen um 6,4 Prozent auf 126 900. Creditreform betonte aber, diese Entwicklung beruhe nur teilweise auf einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Verbraucher, vielfach aber auch auf einer Einschränkung der Beratungsleistungen der Gerichte.

Spürbare Auswirkungen der Finanzkrise auf ihr Auslandsgeschäft haben laut einer Umfrage von Creditreform in der deutschen Exportwirtschaft 41 Prozent der befragten Unternehmen festgestellt. Von negativen Auswirkungen auf das Zahlungsverhalten der ausländischen Geschäftspartner berichteten sogar 85,4 Prozent. Schon jeder fünfte Exporteur sei in den vergangenen Monaten von Kundeninsolvenzen betroffen gewesen.

Die höchsten Insolvenzrisiken sahen die befragten Unternehmen in Osteuropa, speziell im Baltikum. Deutlich höher als in Deutschland wurde die Insolvenzgefahr auch in Spanien, Italien und Großbritannien gesehen. Positiver als Deutschland wurden dagegen die skandinavischen Länder, Österreich und die Benelux-Staaten bewertet.

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