Schlechte Infrastruktur
China hängt Lateinamerika ab

Der schlechte Zustand der Infrastruktur in Lateinamerika bremst nach Auffassung des Weltwirtschaftsforums das Wachstum in der Region. Weil die Transportkosten hoch sind und Häfen oder Schienennetze fehlen, werde Lateinamerika Marktanteile in den USA an China verlieren, warnt das Forum anlässlich des Gipfeltreffens diese Woche im mexikanischen Cancún.

MEXIKO-STADT. „Lateinamerika ist es nicht gelungen, den Vorteil zu nutzen, den die geografische Nähe zum größten Markt der Welt darstellt“, heißt es in dem Papier. Das Weltwirtschaftsforum fordert die Regierungen der Region auf, künftig zwischen vier und sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Infrastruktur zu stecken und nicht wie bisher nur zwei Prozent.

Seit Dienstag diskutieren in Cancún rund 500 Wirtschaftsführer sowie Staats- und Regierungschefs über Herausforderungen und Risiken für die Region angesichts der globalen Veränderungen. Im Mittelpunkt steht dabei das Verhältnis Iberoamerikas zu Asien, insbesondere zu China und Indien. Zudem sollen die Folgen des Abschwungs in den USA und der Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen für die Region analysiert werden.

An dem Lateinamerika-Gipfel des Forums, der dieses Jahr zum dritten Mal nach 2006 und 2007 stattfindet, nehmen neben dem Co-Gastgeber und mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón Kolumbiens Staatschef Álvaro Uribe sowie weitere Präsidenten der Region und führende Funktionäre internationaler Konzerne teil. „Das wichtigste Ziel des Treffens sind klare Ergebnisse und Aktionen, damit die Region schneller wächst und der Reichtum besser verteilt werden kann“, gibt Emilio Lozoya, Organisator des Treffens, die Richtung vor.

Zwar geht es den Volkswirtschaften zwischen Mexiko und Argentinien so gut wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr, aber für 2008 und 2009 prognostizieren der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Vereinten Nationen ein deutliches Nachlassen der wirtschaftlichen Aktivität. Der IWF erwartet für Lateinamerika für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent, 1,2 Prozentpunkte weniger als 2007. 2009 soll das Plus sogar auf 3,6 Prozent sinken. Fast identische Prognosen stellt die Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika, Cepal.

Zwischen 2003 und 2007 wuchsen die Volkswirtschaften der Region um durchschnittlich rund fünf Prozent, angetrieben von einer positiven Weltkonjunktur und hohen Preisen für Rohstoffe wie Erdöl, Silber, Kupfer und Soja. Jetzt aber sehen die Experten die robuste Konjunktur bedroht, vor allem durch ein Abflauen der US-Ökonomie, die Volatilität bei den Rohstoffpreisen und die Rückständigkeit der Infrastruktur in vielen Ländern. Allerdings halte die Nachfrage nach Rohstoffen vor allem in Asien an, so dass die Staaten anders als in der Vergangenheit unabhängiger vom Auf und Ab der US-Wirtschaft seien.

Dies gilt allerdings in unterschiedlichem Maße für die Länder. Mexiko und Zentralamerika würden wegen der starken Verzahnung mit der US-Wirtschaft besonders unter dem dortigen Abschwung leiden. Auf der anderen Seite würden zum Beispiel Brasilien, Chile und Peru den Abschwung besser abfedern können. Sie seien wegen ihrer Rohstoffe nicht so abhängig von den USA und hätten zudem die hohen Kapitalzuflüsse der vergangenen Jahre intelligent eingesetzt und die Chance zur Entwicklung genutzt, kommentiert Rodolfo Navarrete, Chefvolkswirt vom Investmenthaus Vector in Mexiko-Stadt. „Sie haben ihre Finanzprobleme gelöst, die Infrastruktur verbessert und Strukturreformen eingeleitet“. Argentinien und Venezuela liefen hingegen Gefahr, wegen hoher Inflation und der überhitzten Wirtschaft Probleme zu bekommen.

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