Schlechte Nachrichten reißen nicht ab
Finanzkrise erreicht russische Industrie

Russische Unternehmen setzen Investitionsprojekte aus, senken Umsatz- und Produktionsprognosen. Damit steht fest: Die weltweite Finanzkrise hat nun auch die russische Realwirtschaft erreicht.

MOSKAU. Neben Banken und Bauunternehmen klagen auch einzelne Lebensmittelhersteller, Metallurgiekombinate und Automobilkonzerne über Umsatzeinbußen. Jedes dritte der größten russischen Unternehmen erwägt Entlassungen. Sowohl die Stadt Moskau, als auch die Regierung der Russischen Föderation wollen mit Finanzspritzen für Entlastung sorgen.

Die Finanzkrise hat die russische Automobilindustrie erreicht. Die Zahl der neu angemeldeten Autos lag im September 2008 zwar mit 22 Prozent über dem Wert von vor einem Jahr. Aber die Steigerungsraten aus dem 1. Halbjahr, als die Pkw-Verkäufe Monat für Monat um mindestens 40 Prozent über den Ergebnissen aus dem Vorjahr lagen, sind vorbei. Dazu kommt: Die Absätze der russischen Hersteller und erstmals auch einiger ausländischer Marken, gingen zurück.

Davon betroffen sind in erster Linie preisgünstige Fahrzeuge. So verkaufte sich der Ford Focus im September 2008 nur 6 240-mal. Das waren 22 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Hyundai Accent verlor 28 Prozent, der Renault Logan 15 Prozent, der Daewoo Matiz 11 Prozent und der Chevrolet Lanos 35 Prozent. Aber auch einige Premiummarken bekamen die Nachfragedelle zu spüren, darunter Porsche (-13 Prozent), Volvo (-35 Prozent) und Die GM-Marke Hummer (-26 Prozent).

Branchenexperten glauben, dass die Zeiten ungebremsten Wachstums vorbei sind. Zumindest für die nächsten ein bis eineinhalb Jahre. Die Gründe sind Liquiditätsengpässe, schwankende Wechselkurse, verunsicherte Konsumenten und nicht zuletzt ausbleibende Kreditfinanzierer. Das heißt: Viele Banken verweigern ihren Kunden Kredite für geplante Automobilkäufe.

Am härtesten trifft es die Hersteller von Lkw und kleinerer Transportfahrzeuge. Die Gruppe GAS hat von 6. bis 10. Oktober 2008 die Produktion des Kleintransporters Gasel ausgesetzt und die Mitarbeiter in Urlaub geschickt. Im Oktober sollen damit 2 000 bzw. 13 Prozent weniger Gasel gebaut werden als geplant. Russlands wichtigster Lkw-Produzent Kamas hat vorübergehend sogar eine Vier-Tage-Woche eingeführt. Die Nachfrage sei wegen der gesunkenen Bauleistungen stark zurückgegangen, heißt es im Konzern.

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