Schmierölunternehmen Liqui Moly
Liqui Moly – Schwarzmaler unerwünscht

Es ist Krise und alle sparen – alle, außer Ernst Prost. Der Geschäftsführer des Ulmer Motorölherstellers Liqui Moly investiert in seine Leute. Denn er ist sicher, dass genau dies das Erfolgsrezept für schwere Zeiten ist. Das Schmierölunternehmen Liqui Moly handelt antizyklisch: Keinem wird gekündigt und der Vertrieb sogar aufgestockt.

DÜSSELDORF. Was Prost vorhat, ist ein Experiment. „Wir machen unsere eigene, erfolgreiche Firmenkonjunktur kontra Branchenentwicklung und Weltwirtschaft“, sagt er.

Wenn der 52-jährige Firmenchef dann entschlossen über den Café-Tisch hinweg seinen Gesprächspartner anblickt, klingt so ein Satz überraschenderweise gar nicht wie Gesundbeterei. Prost wirkt wie einer, der sich schnell in Rage redet, aber kühl kalkuliert. Kann es wirklich gelingen, durch Zuversicht und Investitionen aus den Krisen- Erfolgsmonate zu machen? Prost glaubt fest daran – und hat einen Zweistufenplan entwickelt. Er hat einen wichtigen Faktor ausgemacht, der darüber entscheidet, ob man in der Krise Erfolg hat oder nicht: die Art und Weise, wie man mit Angst umgeht.

In der Wirtschaft lähmt sie in der Regel. Die Unternehmen halten ihre Taschen zu, investieren nicht, und die Verbraucher kaufen nicht. Auch die Mitarbeiter hat sie in schwierigen Zeiten oft im Würgegriff. Die Sorge um den Job lähmt. Serviceleute telefonieren nur noch lustlos mit den Kunden, Vertriebsmitarbeiter schleppen sich zu den Kunden.

Bei Liqui Moly sollen die Vertriebsleute keine schweren Beine haben. Also lautete Phase eins des Plans: weg mit der Angst in den Köpfen. Deshalb hat Prost den 450 Mitarbeitern öffentlich das Versprechen gegeben: „Bevor ich irgendjemanden entlasse, werde ich mein Schloss verkaufen.“ 2006 hat er für 360 000 Euro das Schloss Leipheim bei Ulm gekauft. Finanziell ist das nicht die Welt, aber das Schloss ist ein Symbol. Prost sagt, dass er seine Vertriebsmannschaft „heißmachen“ will, indem er ihnen mit dem Schloss-Versprechen die Sorge um den Job nimmt. „Wir steigern jetzt unseren Umsatz, weil wir keine Angst haben. Unsere Leute wissen, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist, und deshalb geben sie Gas“, sagt er.

Am Umsatzziel von 250 Millionen Euro für 2009 hält Ernst Prost fest. Im vergangenen Jahr waren es 232 Millionen Euro. Um fast zehn Prozent Umsatzsteigerung hinzulegen, hat er außerdem Phase zwei seines Plans eingeläutet: Er investiert, gerade weil die anderen sparen. Er hat das Mineralölwerk des Unternehmens in Saarlouis modernisiert. Er steckt noch mehr Geld als früher in Messeauftritte und Werbeoffensiven. Und er investiert ins Personal. „In der IG Chemie sind wir einer der wenigen Betriebe, die die für 2009 fixierten 3,3 Prozent Gehaltsaufstockung gemäß der Vereinbarung umgesetzt haben“, erklärt er. Das bedeutet für Liqui Moly jährlich eine Million Euro Mehrkosten für Löhne.

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