Schnellerer Sprung aufs Parkett
Das Tor zur Börse öffnet sich

Der deutsche Mittelstand hält sich traditionell von der Börse eher fern. Allein den Aufwand, der mit einem Börsenlisting verbunden ist, halten viele Familienunternehmen schlicht für zu groß. Die zum Teil erheblichen Publizitätspflichten dürften den einen oder anderen Unternehmenseigner zusätzlich abschrecken. Das könnte sich aber in den nächsten Jahren ändern, wenn sich eine Idee aus dem angelsächsischen Raum auch hierzulande durchsetzt.

FRANKFURT. So genannte "Spacs" halten Einzug auf dem Kapitalmarkt. Sie sind eine Art "Börsengang light". Das Kürzel Spacs steht für "Special Purpose Acquisition Companies". Dahinter verbergen sich zunächst leere Börsenmäntel, deren Unternehmenszweck die Übernahme einer operativ tätigen Gesellschaft ist - wobei mittelständische Unternehmen im Fokus stehen.

Die Finanzinnovation zielt auf Unternehmen und Branchen, in denen der Mittelstand traditionell stark vertreten ist. Gesucht werden nicht junge Technologiefirmen aus dem Internet- oder Biotechnologiebereich, sondern seit langem erfolgreiche Marktführer der Old Economy, also klassische Maschinenbauunternehmen oder Nischenanbieter, die Kapital brauchen für die Eroberung von Auslandsmärkten.

Als Pionier in Sachen Spacs hat sich die Deutsche Bank etabliert, die als Konsortialführerin die Firmenhülle Germany 1 Acquisition Ltd. an der Euronext eingeführt hat. Innerhalb von zwei Jahren soll das Management der Gesellschaft, bestehend aus Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, Unternehmensberater Roland Berger und dem ehemaligen UBS-Banker Florian Lahnstein, ein Unternehmen finden, in das die Einnahmen von 250 Mio. Euro aus dem Börsengang investiert werden sollen.

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Spacs gelten als elegante Möglichkeit, mit wenig Zeitaufwand und ohne das übliche Procedere - etwa eine Road-Show - relativ schnell auf den Kurszettel zu gelangen. "Viele Mittelständler haben gegenüber Private-Equity-Investoren große Ressentiments. Sie befürchten beispielsweise einen radikalen Arbeitsplatzabbau oder eine Zerschlagung ihres Unternehmens", sagt Thomas Schöber von der Beratungsgesellschaft Lilja & Co. Ob diese Bedenken gerechtfertigt seien, hänge stark vom Einzelfall - sprich dem Profil des Investors - ab.

Auch einen Verkauf an einen strategischen Käufer bewerten viele Mittelständler kritisch, denn sie sehen die Unabhängigkeit ihres Unternehmens gefährdet. "Inwieweit Spacs diesen Bedenken entgegenwirken können, muss sich zeigen", sagt Schöber.

Experten gehen davon aus, dass der von der Deutschen Bank begleitete Spac "mustergültig" investieren wird. Mit Blick auf die Erfahrungen in den USA wird aber auch auf Probleme hingewiesen. So seien oftmals Hedge-Fonds in Spacs engagiert, die hohe Renditeerwartungen hätten. Viele Zielunternehmen würden deshalb von den Aktionären der Spacs abgelehnt. Für Mittelständler sei es daher sehr wichtig, die Besitzverhältnisse in einem Spac zu durchschauen. Weniger Konflikte dürfte es dann geben, wenn sich die Investoren eines Spacs mit einer kleineren Beteiligung zufrieden geben. "Spacs eignen sich besonders für Familiengesellschaften, die eine Kapitalaufnahme nicht mit einem Kontrollverlust bezahlen möchten. Denn Spacs begnügen sich oft mit einer Rolle als Minderheitsgesellschafter", weiß Dirk Spilker von der Unternehmensberatung Demmer, Spilker & Co. Dies könne beispielsweise Nachfolgeregelungen erheblich erleichtern, denn Erben könnten ausbezahlt werden, ohne dass der beherrschende Einfluss der Familie aufgegeben werden müsse.

Insgesamt gesehen hätten die börsennotierten Firmenmäntel noch viel Erklärungsbedarf, meint Stefanie Berlinger von Lilja & Co. Der Markt sei in Europa noch verhältnismäßig unterentwickelt, der Erfolg daher kaum abzuschätzen. Außerdem neigten Spacs dazu, zum Nutzen ihrer Aktionäre bei Übernahmen deutliche Preisnachlässe auszuhandeln, sagt Berater Spilker. Das ist jedoch kaum im Sinne eines Mittelständlers. "Ob eine Spac-Finanzierung für ein mittelständisches Unternehmen geeignet ist, hängt also immer auch von dessen konkreten Finanzierungsbedürfnissen ab", ergänzt Spilker. Viel wird nach Einschätzung von Experten davon abhängen, wie die ersten konkreten Erfahrungen ausfallen. Entweder werden Spacs eine echte Alternative für die Unternehmer oder sie entpuppen sich als neue Spielform für Spekulanten, denen der Mittelstand im Grunde egal ist.

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