Schraubenhändler
Würth hat Probleme in den USA und Spanien

Der europäische Marktführer für Montage- und Befestigungstechnik Würth rechnet damit, dass das Steuerverfahren bis zum Jahresende abgeschlossen ist. Während die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Chef des Firmenbeirats, Reinhold Würth, ermittelt, ist das Unternehmen schwach ins Jahr 2008 gestartet.

STUTTGART/KÜNZELSAU. Konkretes zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung wollte Unternehmenschef Robert Friedmann nichts sagen. Das Unternehmen habe für den Fall von Nachzahlungen bereits im Jahr 2006 Risikovorsorge getroffen. Die Höhe der Summe nannte er nicht. „Man muss Risikovorsorge zu dem Zeitpunkt treffen, wenn man von dem Fall erfährt“. In der Bilanz 2007 sei für das Steuerverfahren keine Rückstellung mehr getroffen worden. Der Konzern verhandelt seit dem Besuch der Steuerfahnder bei Würth vor eineinhalb Jahren mit den Behörden. Es geht um mögliche Steuerschulden von mehreren Millionen Euro. Es dreht sich unter anderem um Gewinnbesteuerung des weit verzweigten Unternehmens mit 400 Gesellschaften.

Würth ist unterdessen mit einer Steigerung des Betriebsergebnisses um 1,3 Prozent 240 Mill. Euro in den ersten vier Monaten für das Unternehmen ungewohnt schwach ins neue Jahr gestartet. Der Umsatz stieg um 8,6 Prozent auf drei Mrd. Euro. Vor allem das US-Geschäft und die Immobilienkrise in Spanien bereiten Probleme, sagte Würth-Chef Robert Friedmann. Für das laufende Jahr ist Würth vorsichtig und erwartet ein Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau sowie ein Umsatzwachstum um 8,4 Prozent auf 9,2 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr war Würth noch wesentlich erfolgreicher und hatte das angepeilte zweistellige Wachstum mit 8,5 Mrd. Euro Umsatz nur knapp verpasst, aber den Gewinn um 36,5 Prozent auf 419 Mill. Euro gesteigert.

Die Unternehmensgruppe mit Stammsitz im baden- württembergischen Künzelsau ist in allen Regionen, außer in den USA, wo Würth zehn Prozent seines Umsatzes erzielt, deutlich gewachsen. Der Umsatz der US-Gesellschaften ist im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent auf 746 Millionen Euro zurückgegangen. Grund dafür seien die Dollar-Schwäche im Vergleich zum Euro und die Verunsicherung auf dem US-Markt durch die Krise im Immobiliensektor. Würth erzielt 40 Prozent seines Umsatzes in Deutschland und insgesamt 86 Prozent seines Umsatzes innerhalb Europa.

Würth hat im Jahr 2007 mehr als tausend neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. 2008 soll die Zahl der Mitarbeiter weltweit um 6,8 Prozent auf 68 000 wachsen. Allein 2007 habe das Unternehmen 479 Mill. Euro investiert, davon 227 Millionen Euro in Deutschland. Das Eigenkapital betrage derzeit 2,4 Milliarden Euro. Mit einer Eigenkapitalquote von 42 Prozent liege Würth nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt europäischer Handelsunternehmen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%