Schreibgeräte Vorbild für die Sendung mit der Maus

Mit über sechs Millionen produzierten Schreibgeräten und einem Umsatz von 50 Millionen Euro pro Jahr ist Lamy Marktführer in seinem Segment in Deutschland. Der größte Konkurrent Pelikan sitzt in Hannover und versucht Lamy die Marktführerschaft bei Schulfüllern streitig zu machen.
  • Armin Ulm
Pelikan will Lamy die Vorherrschaft in deutschen Schulen abjagen. Quelle: dpa

Pelikan will Lamy die Vorherrschaft in deutschen Schulen abjagen.

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HEIDELBERG. Es brummt, stampft, klimpert. Bernhard Rösner muss schon etwas lauter werden, will er seine Mitarbeiter nach ihrem Befinden fragen, denn in der Werkshalle des Heidelberger Schreibgeräteherstellers Lamy geht es munter zu. Überall werkeln Roboter, liefern Produktionsbänder zu, entstehen Stifte. Aber alles hat seine Ordnung unter der Regie des Geschäftsführers, der immer ein freundliches Wort für seine 350 Mitarbeiter findet.

"Na, Pause schon vorbei?", fragt Rösner einen Mechaniker und schafft es derweil, an zwei Maschinen vorbei zu manövrieren, ohne seinen dunkelblauen Anzug zu versehren. Aus der Brusttasche des Jacketts ragt dezent Rösners vielleicht wichtigstes Utensil. Statt Einstecktuch trägt der schwäbische Volkswirt selbstbewusst seinen Lamy Füller, weiß er doch: "Ein schönes Schreibgerät ist ein Statussymbol, eines, das man zudem überall mitnehmen kann."

Von der Fertigungshalle geht es auf die begrünte Dachterrasse. Unter Birken, umgeben von abstrakten Skulpturen, lassen sich die Dimensionen des deutschen Schreibgerätemarktes leicht abschätzen. Mit 524 Mio. Euro bewertet ihn Michael Schießl, Experte der Nürnberger Marktforschungsgesellschaft GfK. Das Werkgelände ist überschaubar, obwohl Lamy die Nummer fünf der Welt ist und es wahrscheinlich auch bleiben wird.

Die Heidelberger wollen nicht auf die Überholspur. Lamy vertritt Werte jenseits von Profitmaximierung und Expansion. Viel dreht sich hier um die Verantwortung, die Lamy als mittelständisches Familienunternehmen trägt, und damit um den Erhalt des Standorts Heidelberg. Und es geht um Kunst und Design. Die sind wesentliche Bestandteile der Firmenphilosophie Lamys und Teile des Erfolgs. Obgleich sich das Marktumfeld momentan schwierig zeigt. "Aufgrund der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sehen wir für das Jahr 2009 keine positive Entwicklung für den Schreibgerätemarkt", sagt Schießl. Rückläufige Umsätze seien vor allem im Bereich der gewerblichen Endabnehmer zu erwarten. Bei der privaten Nachfrage sei eher von einem flachen Umsatzverlauf auszugehen.

Das hätte Manfred Lamy nicht abgeschreckt. Er war es, der 1966 die für Lamy so prägende Zusammenarbeit mit dem Designer Gerd A. Müller in die Wege leitete. Damals war die Firma 36, die Marke 14 Jahre alt und bis dato ein Schreibgerätehersteller unter vielen. Manfred Lamy führte sie in zweiter Generation und landete mit Müller einen Coup sondergleichen. Müller hatte zu diesem Zeitpunkt schon den Produkten von Braun ein wegweisendes Design verliehen, den Füllermarkt aber krempelte er mit einem einzigen Produkt um: dem Lamy 2000. Der zeigte sich im Bauhausstil ungewohnt schlank, reduziert und funktional. Zukunftsweisend wie sein Name, rollte der Füller aus Heidelberg den deutschen Markt auf. Die Konkurrenz war fortan Standard, der Lamy Avantgarde, und das ohne den hohen Qualitätsanspruch missen zu lassen. Heute ist das Designunternehmen in seinem Segment mit einem Umsatz von 50 Mio. Euro und über sechs Mio. produzierten Schreibgeräten pro Jahr Marktführer in Deutschland.

Deshalb sei die "Sendung mit der Maus" schon zweimal hiergewesen, bemerkt Rösner. Die Produktion eines Schreibgeräts ist eben doch von ungeahnter Komplexität. Roboter stellen winzige Präzisionsteile her. In 24 Schritten entsteht beispielsweise aus einem Stück Draht eine Kugelschreiberspitze, daneben eine Füllfeder. Die testen dann eigens hierfür angestellte Mitarbeiter auf ihren Schreibfluss, indem sie Kreise oder Buchstaben auf Papier malen.

Der größte Konkurrent sitzt in Hannover und versucht Lamy die Marktführerschaft bei Schulfüllern streitig zu machen. Dafür hat Pelikan 2008 eigens ein neues Produkt entworfen, den Griffix, der es mir dem abc aufnehmen soll. Mit Lamys Füller aus hellem Holz und markantem roten Plastikgriff schreiben deutsche Schüler seit 1987. Jetzt hat er offenbar ernstzunehmende Konkurrenz bekommen. Pelikan konnte punkten gegenüber dem ungeliebten "Holzbein", wie die Hannoveraner das Konkurrenzprodukt nennen.

Doch bei Lamy bleibt man gelassen, in jeder Hinsicht. Auch beim Thema Übernahme. "Wir bekommen immer wieder Anrufe von Finanzinvestoren. Aber das würde nicht zu Lamy passen", erklärt Rösner.

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