Mittelstand

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Schutzimpfungen im Betrieb: Die nächste Grippewelle kommt bestimmt

Laut einer Studie des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung bieten nur 40 Prozent der Unternehmen mit weniger als 1 000 Mitarbeitern ihrer Belegschaft die Möglichkeit einer Schutzimpfung im Betrieb. Das ist riskant. Denn gerade Problemperioden wie die Grippezeit, können Unternehmen teuer zu stehen kommen.

von Kerstin Völling
Impfen schützt: Eine Frau bekommt eine Grippeschutzimpfung. Foto: Archiv Quelle: dpa
Impfen schützt: Eine Frau bekommt eine Grippeschutzimpfung. Foto: Archiv Quelle: dpa

KÖLN. Wer wie die Orthomol GmbH im rheinischen Langenfeld ernährungsmedizinische Produkte herstellt, will auch der eigenen Belegschaft beim Thema Gesundheit etwas bieten. Die 375 Mitarbeiter können deshalb Gratis-Sport im hauseigenen Fitness-Studio treiben, sich von einer Trainerin coachen lassen und bei der unternehmenseigenen Masseurin entspannen. Schutzimpfungen fehlen jedoch im Vorsorgeprogramm. "Unser Krankenstand ist so niedrig, dass das noch kein Thema war", sagt Inhaber und Geschäftsführer Kristian Glagau.

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Viele Unternehmer teilen Glagaus Einschätzung, doch Experten sehen die Lage weniger entspannt: "Diese Unbekümmertheit ist gefährlich", warnt Wolfgang Panter, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Laut einer Studie des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung bieten nur 40 Prozent der Unternehmen mit weniger als 1 000 Mitarbeitern ihrer Belegschaft die Möglichkeit einer Schutzimpfung im Betrieb.

Während Panter Polio-, Tetanusund Diphterieimpfungen nur für besonders gefährdete Arbeitnehmer empfiehlt, rät er in jedem Fall zur Impfung gegen die Grippe. "Die ist eine akute Bedrohung und kann ganze Abteilungen lahm legen." Die hoch ansteckende Krankheit plagt infizierte nicht nur mit Fieber, Husten, und Gliederschmerzen wie der häufiger vorkommende grippale Infekt. Panter: "Sie sind so fertig, dass Sie es nicht mehr zur Tür schaffen." Der Mediziner empfiehlt deshalb allen Unternehmen unabhängig von ihrer Größe, Grippeschutzimpfungen am Arbeitsplatz einzuführen: "Und zwar regelmäßig im Oktober oder November."

Dann sind sie gerüstet, wenn am Jahresanfang die nächste Influenzawelle durch Deutschland schwappt. Rund eine Million Menschen müssen nach Angaben der Virenexperten des Rober-Koch-Instituts jährlich wegen der Infektionskrankheit das Bett hüten. Die Hauptsaison liegt in den späten Wintermonaten von Januar bis März, wenn vier- bis fünfmal mehr Grippekranke zu beklagen sind als in den übrigen Monaten.

Gerade diese Problemmonate können Unternehmen teuer zu stehen kommen: "Je nach Qualifikation des erkrankten Beschäftigten müssen Sie mit mehreren 100 Euro Minus pro Tag rechnen", sagt Jochen Protzer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. "Und hat's gleich mehrere Mitarbeiter erwischt, bleibt auch noch die Arbeit liegen." Daran gemessen seien die zehn bis 15 Euro, die ein Unternehmer pro Geimpften zahlen müsse, eine gute Investition.

Bislang zahlen gesetzliche Krankenkassen den präventiven Eingriff in Betrieben grundsätzlich nicht. Eine Ausnahme gilt für Mitarbeiter, die einen engen und häufigen Kontakt zu anderen Menschen pflegen, zum Beispiel in Krankenhäusern und Altenheimen. Häufig fördern die Kassen darüber hinaus auch Impfungen nicht besonders gefährdeter Mitarbeiter, indem sie den Wirkstoff zahlen. Die Firmen müssen dann nur die Arztkosten übernehmen, sofern sie keinen eigenen Betriebsarzt haben.

Das gilt immerhin für 47 Prozent aller Unternehmen in Deutschland und weite Teile des Mittelstands. Ob sich das Angebot einer Mitarbeiter-Impfung in dem Fall lohnt, muss jeder Chef selber entscheiden. Arbeitsmediziner Peter Egler vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte will kleinen und mittelgroßen Unternehmen ohne Betriebsarzt jedenfalls keine generelle Impfempfehlung geben. Denn: "Natürlich kann das ein Kostenfaktor sein, und manchmal eben ein unnötiger. Schließlich sind vor allem Kinder, Senioren und Immungeschwächte betroffen." Und die arbeiten schließlich eher selten.

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