Schwankende Preise Deutsche Recyclingfirmen stehen unter Druck

Nach dem Markteinbruch im Vorjahr hat sich die Recycling-Branche wieder erholt. Weitere Schwankungen sind jedoch auch in Zukunft zu erwarten. Die Anbieter stellen ihr Geschäft nun breiter auf.
  • Andreas Schulte
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Stahlschrott: Zu 45% wird in Deutschland der Stahlbedarf aus Recycling-Material gedeckt. Quelle: picture-alliance- dpa-dpaweb

Stahlschrott: Zu 45% wird in Deutschland der Stahlbedarf aus Recycling-Material gedeckt.

KÖLN. Der Schrott türmt sich bis zu zehn Meter hoch. Rund 100 000 Tonnen lagern auf dem gut 17 Hektar großen Gelände in Salzgitter. Kein unnützer Müllhaufen – im Gegenteil: Die rostige Ware hat ihren Wert. Eine Tonne Stahlschrott bringt dem Betreiber Deumu beim Verkauf an ein Stahlwerk derzeit zwischen 200 und 300 Euro – je nach Sorte. Die Größe der Haufen schwankt mit dem Marktpreis und der Nachfrage.

Doch gerade hier liegen enorme Unwägbarkeiten für die Schrotthändler: In den letzten Jahren waren Preisschwankungen von 30 bis 40 Euro im Monat pro Tonne Stahlschrott keine Seltenheit. „Der Markt ist schnelllebiger geworden“, sagt Ulrich Leuning, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen. Die Branche entwickelt nun Strategien, um unabhängiger von den Kursen zu werden.

Noch im vergangenen Jahr hatte die Wirtschaftskrise die Branche hart getroffen. Der Absatz der deutschen Stahlrecycling-Unternehmen lag 2009 bei 22 Mio. Tonnen – ein Minus von rund 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In diesem Jahr hat sich der Markt erholt, doch weitere Ausschläge nach oben und unten sind programmiert, zumal auch der Schrott nicht in konstanten Mengen beschafft werden kann.

Viele Unternehmen gehen dazu über, den Schrott bei einem plötzlichen Preisverfall länger zu lagern und auf bessere Kurse zu warten. Das Problem: „Nicht jeder Recycler hat den nötigen Platz“, sagt Experte Leuning. Zudem hätten in der Krise viele Firmen ihre finanziellen Reserven aufgebraucht, die jetzt zur Überbrückung nötig wären.

Vertragslaufzeiten werden kürzer

„Stark schwankende Nachfragen kann man nur abfedern, wenn man genügend Lagerplatz hat und zugleich auf ein weit verzweigtes Beschaffungsnetzwerk zurückgreifen kann“, sagt Deumu-Geschäftsführer Detlef Alsleben. Das Unternehmen erhält Schrott von 500 Zulieferern. Um auf Preisschwankungen schnell reagieren zu können, trifft es mit den Geschäftspartnern statt langfristiger Verträge nun monatliche Vereinbarungen.

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