Schweigen ist Gold
Der hohe Wert von Familienunternehmen

Familienunternehmen verfolgen oft ihre eigene Linie. Über Bilanzen und Gewinne hüllen sie gerne den Mantel des Schweigens. Und doch unterscheiden sie sich in mancherlei Hinsicht gar nicht so sehr von Börsenkonzernen.
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DüsseldorfKnapp zwei Drittel der deutschen Hochschulabsolventen wollen ihre Karriere am liebsten bei einem Familienunternehmen starten. Studenten in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Dänemark und Ungarn teilen diese Vorliebe nicht. Dort will weniger als ein Viertel zuerst in einem Familienkonzern arbeiten, wie eine Umfrage bei 824 Studenten in Europa im Auftrag des Duisburger Familienunternehmens Haniel ergab.

Neben einem guten Betriebsklima, kurzen Kommunikationswegen und optimalen Möglichkeiten der Familienplanung genießen bei den befragten Studenten exzellente Aufstiegsmöglichkeiten und vor allem ein internationales Arbeitsumfeld höchste Wertschätzung. Und genau diesen Spagat leisten am ehesten die großen und in Deutschland beheimateten Unternehmen. Das belegt die neue Handelsblatt-Rangliste der nicht-börsennotierten Konzerne. Dabei handelt es sich in der Regel um familiendominierte Firmen.

„Die starke Rolle der Familienunternehmen in Deutschland ist im internationalen Vergleich außergewöhnlich“, sagte Haniels Personaldirektor Michael Prochaska. Die Hälfte der 50 größten europäischen nicht-börsennotierten Konzerne, die alle auf einen Jahresumsatz von mehr als sechs Milliarden Euro kommen, hat ihren Sitz in Deutschland – die restlichen 25 Firmen verteilen sich auf die übrigen 50 europäischen Länder.

Auffällig ist: Mehr als die Hälfte der 50 europäischen Topkonzerne veröffentlicht keine detaillierten Jahresbilanzen. Die meisten verschweigen neben den Margen, Aufträgen nach Regionen und der Eigenkapitalquote sogar ihren Jahresgewinn – darunter Weltkonzerne wie die Bielefelder Oetker-Gruppe und die Rotterdamer Vitol-Holding.

Der niederländische Rohstoffhändler ist mit einem Jahresumsatz von 146 Milliarden Euro Europas größter nicht-börsennotierter Konzern. Zum Vergleich: Deutschlands Nummer eins, VW, kam im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 127 Milliarden Euro.

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  • Es ist an der Zeit einmal eine Serie im Handelsblatt zu starten,die sich mit der OHG beschäftigt. Eine Gesellschaftsform die so riskant ist, das sie verboten gehört. Kein Politiker würde Politiker sein wollen, wenn
    er solchen Risiken ausgesetzt würde. Leider gibt es viele Mutige die in den vergangenen Jahrzehnten das Abenteuer begannen und mit der Familie dann in den Abgrund gingen.
    Den Mutigen gehört einfach mal eine Serie.

  • Ja, Familienunternehmen sind eine starke Säule der Wirtschaft.
    Einen Vorteil haben börsennotierte Unternehmen aber gegenüber den Familienunternehmen:
    Man kann sich als Mitarbeiter an dem Unternehmen beteiligen.

    Dann gehört einem gewissermaßen der eigene Arbeitsplatz. Der Chef ist auch umgekehrt der eigene Angestellte.
    Und ganz wichtig ist auch die Transparenz, die einem ein börsennotiertes Unternehmen in beiden Rollen bringt.

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