Schweizer Start-up On Running
„Wir wollen keine Kunden mit Unterhosen gewinnen“

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Der Händler braucht Spezialitäten zum Überleben

Haben Sie schonmal über eigene Flagship-Stores nachgedacht?
David: Wir haben ja 300 Flagship-Stores, nur stehen die nicht separat, sondern direkt bei unseren Händlern drinnen. Das heisst, wir haben ein Shop-in-Shop-Konzept und aktuell etwa pro Jahr rund 30 Millionen Kontaktchancen bei den Händlern. Das für uns eine große Chance.

Weil Sie so mehr Menschen erreichen, die man sonst erstmal in einen eigenen Laden locken müsste?
David: Die Händler sind unsere Partner und sie profitieren ja auch davon. Heutzutage steht der Fachhandel vor der Herausforderung, dass er speziell sein muss, weil der Ort kein Differenzierungsfaktor mehr ist. Der wurde mit dem Internet aufgeweicht. Für einen Händler ist es also absolut entscheidend, dass er kein Standart-Sortiment hat, das man überall bekommt, sondern eins mit Spezialitäten. Dabei helfen wir.

Das klingt aber sehr altruistisch - gibt die Marge das denn her?
David: Der Handel spielt für uns beim Wachstum eine ganz wichtige Rolle. Auch dort mussten wir die Einkäufer am Anfang mit unserem Produkt überzeugen. Aber sie haben an uns geglaubt und uns eine Chance gegeben. Dieses Vertrauen schätzen wir enorm und das geben wir auch gerne zurück.

Wie sind Sie denn momentan positioniert im Handel?
David: Wenn Sie sich unsere neuesten Zahlen anschauen, da ist On im Spezialistenkanal in Deutschland unter den Top 5 auf Augenhöhe mit den wichtigsten Marken und von 2015 bis 2016 über 80 Prozent gewachsen.

80 Prozent, was meint das genau: Umsatz beim Endkunden oder die Bestellungen durch die Händler?
David: Die Händler-Umsätze. Und hier in der Schweiz ist der Cloud das meistverkaufte Laufschuhmodell im Fachhandel, das ist quasi der Home-Run für uns. Auch der Cloudsurf ist unter den Top 5. Gleichzeitig ist On bei den 1.300 Spezialisten in den USA die Marke, die am schnellsten neue Fans gewinnt. Und in Japan sind wir gerade extrem gut unterwegs. Weltweit ist On zu der Marke geworden, die ihre Community am schnellsten ausweitet.

Wie erklären Sie sich das, sind nicht in den USA die Player schon gesetzt mit Brooks oder Nike?
David: Bei den Laufsportspezialisten gewinnt am Schluss die Marke mit der Technologie, die dem Kunden das beste Laufgefühl gibt. Wenn wir daran nicht von Anfang an geglaubt hätten, wären wir nie gestartet.

Apropos Technologie. Sie werben damit, dass die Schuhe in den Schweizer Alpen entstehen. Tatsächlich sind sie aber nicht Made in Swiss, sondern Made in Vietnam. Warum eigentlich? Als Konsument wird man durch dieses “Engineered in Swiss” doch irgendwie auf die falsche Fährte gebracht.
Olivier: Wir zeigen auf, wie wir unsere Schuhe in der Schweiz entwickeln. Wir haben hier über 70 Arbeitsplätze geschaffen und nutzen die Schweiz als Innovationsstandort. Und wir schreiben aufs Produkt, dass wir in Vietnam produzieren. Leider ist das Know-how und auch die ganze Zuliefer-Industrie für technisch anspruchsvolle Schuhe nach Asien abgewandert. In Italien werden noch Lederschuhe und teilweise Wanderschuhe gemacht, anspruchsvolle Laufschuhe werden zu 98 Prozent in Asien produziert.

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