Schweizer Uhrmacher
Fehler im Präzisionsgetriebe

Auch dieses Jahr werden die mechanischen Kunstwerke die Fachbesucher der Uhrenmesse Baselworld in Verzückung versetzen. Doch eines wird auf der weltweit größten Ausstellung ihr Art sorgsam unter den Teppich gekehrt: Der Schweiz gehen die Uhrmacher aus.

GRENCHEN. Doppeltes Tourbillon, Gangreserve von 31 Tagen, ewiger Kalender lauten die Beschreibungen für jene mechanischen Kunstwerke, die nebenbei auch noch die Zeit anzeigen und die zur Schweiz gehören wie die Schokolade und das Bankgeheimnis. 2 100 Aussteller von der Swatch-Gruppe über die Marken aus der Richemont-Familie bis zu Pretiosen aus den Häusern Rolex und Patek Philippe, die auch mal sechsstellige Summen kosten können, sollen mindestens 90 000 Besucher mobilisieren, die dann etwa in der „Hall of Dreams“ die feinsten Stücke auf Samt und Seide ehrfürchtig bestaunen dürfen.

Mit immer ausgefalleneren Komplikationen und immer mehr Zeigern pflegen die Uhrenhersteller die Kunst der feinen Unterschiede. Die Westschweizer Tüftler von Girard-Perregaux haben beispielsweise mit ihrer „tc-financial“ einen Chronographen für Banker entwickelt, der auf dem äußeren Ring die Öffnungs- und Schlusszeiten der vier bedeutendsten Börsenplätze der Welt anzeigt.

Weil Messen jedoch Rekorde zeigen, aber Probleme lieber unter die schalldämpfenden Teppiche kehren, kommt ein Thema, das die Branche umtreibt, allenfalls abends, wenn die Aussteller ins „Baselworld-Village“ einziehen, um all das zu tun, weswegen sie sonst noch Messen besuchen, zur Sprache: Den Uhrmachern ist der gut ausgebildete Nachwuchs ausgegangen. Die Produktion kommt hinter den Kundenwünschen kaum hinterher. Schon gibt es Lieferengpässe. „Uns fehlt eine ganze Generation von Spezialisten“, sagt Beatrice Howald, Sprecherin der Swatch-Gruppe, des größten Uhrenherstellers der Welt, der mit seinen Marken von der Plastikswatch bis zur goldenen Breguet alles abdeckt, was die Zeit irgendwie anzeigt.

Die Schweiz ohne Uhrmacher – das ist verheerender, als wenn dem Land die Kuhglocken ausgingen.

Denn während die Landwirtschaft allenfalls ein stagnierendes Geschäft ist, wächst die Luxusbranche rasant. Um die Nachfrage zu befriedigen, sucht die Swatch-Gruppe allein in der Schweiz an die 500 Mitarbeiter. Rolex will seine Produktion erweitern und braucht Leute. Bei Richemont wären Fachkräfte willkommen, wenn sich welche finden ließen. Feine Boutiquen wie der Genfer Schmuck- und Uhrenhersteller Chopard haben mehr als 20 Stellen offen.

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