Scoring
Statistik entscheidet über Kreditvergabe

Bei vielen Banken entscheidet das statistische Scoring-Verfahren darüber, welche Unternehmen einen Kredit bekommen. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe müssen sich an die automatisierte Ermittlung ihrer Kreditwürdigkeit oder Bonität durch die Hausbank offensichtlich erst noch gewöhnen. Ein Beispiel.
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DÜSSELDORF. Siegfried G. war bisher der festen Überzeugung, sich mittlerweile in die wichtigsten Details der in den vergangenen Jahren mehrmals geänderten Kreditvergaberichtlinien seiner Hausbank eingearbeitet zu haben. Mehr noch: Er sah sich sogar weitgehend in der Lage, das Bankenrating, also die Kreditbeurteilung seines Mittelbetriebes nachzuvollziehen.

Darin ist er sich mittlerweile aber keineswegs mehr sicher, da ihm vom Kundenberater seiner Bank während des kürzlich erfolgten Bilanzgesprächs mitgeteilt wurde, "? dass sich sein Score negativ verändert habe und er doch bitte über zusätzliche Sicherheiten nachdenken solle." Sollten keine werthaltigen Sicherheiten zur Verfügung stehen, müsse G. mit höheren Kreditzinsen rechnen.

Scoring ist gewöhnungsbedürftig

G. ärgerte vor allem, dass der Kundenberater während des Gesprächs eindeutig davon ausging, dass G. mit dem Begriff "Scoring" selbstverständlich etwas anzufangen weiß, obwohl dieser von seiner Hausbank davon bisher noch nichts gehört hatte. Es hat also weder eine schriftliche Information noch eine persönliche oder telefonische Erläuterung zu diesem Thema gegeben.

Darauf von G. angesprochen, reagierte der Bankmitarbeiter überrascht. Immerhin, so argumentierte er, "sei das Ganze doch nichts Neues. Schließlich beinhalten Scoringsysteme grundsätzlich das Gleiche wie andere Bonitätsbeurteilungen auch." Immerhin räumt er aber ein, dass nicht nur G., sondern auch Inhaber anderer Mittelbetriebe die Methodik des Kreditscorings nicht in allen Einzelheiten zu kennen scheinen. Gewöhnungsbedürftig ist danach vor allem die weitgehend automatisierte Ermittlung der jeweiligen Kreditwürdigkeit des Kunden.

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  • Scoring ist mithin nichts anderes als der Versuch, mangelnde betriebswirtschaftliche Kompetenz und mangelndes unternehmerisches Verständnis auf Seiten der bankmitarbeiter durch mathematische Verfahren zu kompensieren. Diese vermitteln eine Pseudo-Objektivität die durch ihre black-box-Qualitäten dazu führt, dass Gespräche mit bankern immer weniger Tiefe und immer weniger inhaltsorientierung bekommen. Ein weiterer Schritt seitens "der banken", ihrer Marktfolgeseite Totschlagargumente an die Hand zu geben, um Kreditgeschäfte zu vermeiden und so Rechtfertigungen für ihre abenteuerlichen Ersatzgeschäfte zu entwickeln.

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