SECHS FRAGEN AN: RÜDIGER A. GÜNTHER
Günther: "Bessere Konditionen gibt es in den USA"

Das Handelsblatt spricht mit Rüdiger A. Günther über die Aufnahme von Fremdkapital in Form einer US-Privatplatzierung. Günther ist ist Sprecher der Geschäftsführung der Claas-Gruppe, die als erstes deutsches Familienunternehmen diesen Weg beschritten hat.

Warum haben Sie sich vor gut drei Jahren als erstes deutsches Familienunternehmen dafür entschieden, Fremdkapital in Form einer US-Privatplatzierung aufzunehmen?

Zum einen waren seinerzeit die Konditionen in den USA im Vergleich zu Europa besser. Das betraf die Laufzeiten und die Renditevorstellungen, aber auch gewisse vertragliche Gestaltungen wie etwa Covenants, also Anlegerschutzklauseln, die weniger stringent waren. Zum anderen gab es Ende 2002, also in der Nach-Enron-Zeit, seitens institutioneller US-Investoren großes Interesse an soliden Spezialitäten und "Hidden Champions" außerhalb der USA.

Claas hat als Hersteller von Agrarmaschinen zwar eine lange Tradition, aber die US-Investoren kannten Ihr Unternehmen wahrscheinlich nicht. War es schwer, die Investoren von der Zeichnung Ihrer privat platzierten Anleihe zu überzeugen?

Sicherlich haben wir zunächst einmal grundsätzlich klar machen müssen, wer das Unternehmen Claas tatsächlich ist. Dabei ist es gut angekommen, dass wir damals bereits unseren Abschluss nach US-GAAP veröffentlichten. So waren wir für die Investoren nicht nur transparent, sondern auch vergleichbar mit unseren Wettbewerbern in den USA.

Haben Sie die Investoren besucht?

Natürlich. Wir waren mit dem Arrangeur unserer Anleihe - der US-Investmentbank Merrill Lynch - auf einer viertägigen Roadshow an über zehn verschiedenen Orten. Dort haben wir uns bei Pensionsfonds und Versicherern als Marktführer Europas und als Premiummarke "verkauft" und sind damit auch gut gefahren. Außerdem haben wir die Investoren an unseren Firmensitz im ostwestfälischen Harsewinkel eingeladen. Dort konnten sie sich zwei Tage lang ein Bild von Claas machen und sich vor Ort überzeugen.

Wie viele Anleger haben Ihre Privatplatzierung über 200 Millionen Dollar gekauft?

Knapp 20 Investoren haben damals Tranchen von unter zehn Millionen bis über 20 Millionen Dollar gezeichnet.

Sie haben ja auch schon im März 1999 eine öffentliche Anleihe über 100 Millionen Euro mit Laufzeit von damals sechs Jahren platziert. Was sind die Vorteile des US-Private-Placements?

Wir wollten unsere Finanzierungsbasis verbreitern und neue Investoren gewinnen. Abseits dessen sprach seinerzeit für das Private Placement, dass wir gegenüber einer öffentlichen Anleihe mit zwölf Jahren eine längere Laufzeit vereinbaren konnten. Zudem bestand nicht die Notwendigkeit eines öffentlichen Ratings.

Sie sind am Kapitalmarkt mit verschiedenen Transaktionen recht aktiv. Warum?

Als Familienunternehmen zählt unsere Unabhängigkeit zu den obersten Zielen. Das gilt auch für die Finanzierungsseite. Wir haben uns schon sehr früh auf den Weg gemacht, um neben den traditionellen Bankpartnern neue Pfade in der Unternehmensfinanzierung zu gehen.

Die Fragen stellte Andrea Cünnen.

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