Selbstständigkeit
Übernahme statt Neugründung

Wer sich selbstständig machen will, hat häufig ausschließlich die Neugründung eines Unternehmens im Kopf. Dabei ist die Übernahme einer bestehenden Firma oft eine bedenkenswerte Alternative: Denn der neue Chef erwirbt mit der Firma einen treuen Kundenstamm, Mitarbeiter und Lieferanten. Doch dabei gilt es, Einiges zu beachten.

KÖLN. Manuel Vöge ist hochzufrieden. Im Sommer vergangenen Jahres hat er die "Beton und Naturstein Babelsberg GmbH" (BNB) gekauft. Jetzt beschäftigt er 25 Mitarbeiter und schreibt schwarze Zahlen.

Nach zwölf Jahren als Angestellter wollte sich der 41-jährige Maschinenbauingenieur, der zuletzt in einer leitenden Position gearbeitet hatte, selbständig machen. Vöge konnte sich sowohl eine Neugründung vorstellen als auch die Übernahme einer Filiale eines Franchise-Unternehmens. Doch schließlich entschied er sich zum Kauf eines bestehenden Unternehmens. "Es sollte ein am Markt eingeführtes Unternehmen sein, mit ähnlichen Strukturen wie ich sie während meines Berufsleben kennengelernt hatte", sagt Vöge. Nach einigen erfolglosen Versuchen, über Unternehmensmakler ein Kaufobjekt zu finden, stieß er auf der Internetplattform nexxt.org der örtlichen Industrie- und Handelskammer auf BNB.

Wie Vöge zieht es immer mehr Menschen, die zuvor als Angestellte gearbeitet haben, in die Selbstständigkeit. Die Zahl der Firmenübernahmen nimmt zu: So steht nach Hochrechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) pro Jahr in jedem sechsten Familienunternehmen die Regelung der Nachfolge an, meist aus Altersgründen. Und immer mehr Unternehmer finden den Nachfolger außerhalb der Familie, belegt eine Studie des Instituts.

Für die Käufer liegen die Vorteile gegenüber einer Neugründung auf der Hand, bestätigt Frank Wallau, Geschäftsführer des IfM. "Wer ein Unternehmen neu gründet, muss den Banken einen Businessplan vorlegen, der eine drei- bis fünfjährige Finanzplanung beinhaltet", sagt der Berater. "Das fällt Existenzgründern oft schwer, da sie nicht auf zurückliegende Daten zurückgreifen können. Bei einer Übernahme kann der potentielle Käufer dagegen mit vorhandenen Bilanzen arbeiten und das Risiko besser einschätzen."

Neben der besseren Übersicht über die Chancen und Risiken des Geschäfts bringt ein Kauf aber noch weitere Vorteile mit sich. So erwirbt der neue Chef mit dem vorhandenen Betrieb einen treuen Kundenstamm, Mitarbeiter und Lieferanten. Das waren auch für BNB-Käufer Vöge die entscheidenden Argumente. "Ich wollte auf einen fahrenden Zug aufspringen und mich voll darauf konzentrieren, das Unternehmen dem Markt anzupassen", sagt der Unternehmer. "Denn das Unternehmen verdient bereits Geld. Man muss so nicht überall bei Null anfangen."

Was ein Vorteil ist, kann sich jedoch auch negativ auswirken, mahnt IfM-Geschäftsführer Wallau. So treffen Käufer mitunter auf verkrustete Strukturen in ihrem Unternehmen, die es zu durchbrechen gilt. Mitarbeiter müssen von einem Kurswechsel erst einmal überzeugt werden. Unternehmer sollten sich deshalb nicht der Illusion hingeben, den gesamten Betrieb innerhalb kürzester Zeit umkrempeln zu können, warnt Birgit Felden, Spezialistin für Generationenwechsel bei der Unternehmensberatung TMS: "Man sollte Bewährtes bewahren und behutsam an Änderungen herangehen."

Die Beraterin empfiehlt, das Unternehmen vor dem Kauf genau zu analysieren. Eine Bilanzanalyse ist oft nicht ausreichend, um das Potential und die Struktur des Unternehmens überblicken zu können. Oft ist es sinnvoll, einen Berater zu konsultieren. "Der Blick von außen hilft, die Übernahme realistisch einzuschätzen", sagt Felden.

Auch mit Finanzierungsexperten sollte sich ein Kaufinteressent frühzeitig beraten. Der Kapitalbedarf ist bei einer Übernahme nämlich meist höher als bei einer Neugründung. Beraterin Felden ist sich daher sicher: "Wenn der Unternehmer die Bank von seinen Plänen überzeugen kann, ist das häufig ein gutes Zeichen, dass der Kaufpreis stimmt und das Konzept schlüssig ist."

Ein noch genaueres Bild können sich Käufer machen, wenn sie vor einer Entscheidung einige Zeit im Unternehmen arbeiten. So verfuhr auch der heutige BNB-Geschäftsführer Vöge: Er schaute sich vor dem Kauf mehrere Unternehmensabteilungen vor Ort an - und lernte so die Arbeitsweise und das Tagesgeschäft des Bauzulieferers kennen. Danach ging die Übernahme reibungslos über die Bühne: "In den Büchern bemerkt man den Inhaberwechsel gar nicht", freut sich Vöge.

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