Seniorenfreundliche Verpackungen
Hauptsache höflich zu den Älteren

Viele Senioren haben mit dem Öffnen von Verpackungen Schwierigkeiten. Sie können schlechter sehen und ihre Finger nicht mehr uneingeschränkt bewegen. Besonders schwer haben es Senioren mit eingeschweißten und vakuumverpackten Produkten. Fast folgerichtig entwickeln sich alternative Verpackungsformen zu einem Wachstumsmarkt.

KÖLN. Auf die Frage, wie man eine seniorenfreundliche Verpackung erkennt, gibt Gundolf Meyer-Hentschel, Gründer des Instituts Meyer-Hentschel Saarbrücken, eine überraschende Antwort: "Auf den ersten Blick am besten gar nicht." Er befasst sich seit 28 Jahren mit den Wünschen älterer Kunden und gilt als Begründer des Seniorenmarketings in Europa. Meyer-Hentschel weiß: Riesenbuchstaben oder extragroße Verschlüsse kränken den Kunden. "Eine gute Verpackung ist höflich. Sie gibt Informationen ohne Umstände preis und verweigert dem Käufer das Produkt nicht durch umständliches Öffnen."

Dennoch ist besonders die Käuferschicht ab 60 auf überlegte Produkthüllen angewiesen: Laut Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen haben 92 Prozent der Älteren mit dem Öffnen von Verpackungen Schwierigkeiten. Sie können schlechter sehen und ihre Finger nicht mehr uneingeschränkt bewegen. Haltbarkeitsdatum und Zutatenlisten sind häufig viel zu klein und kontrastarm gedruckt.

Besonders schwer haben es Senioren mit eingeschweißten und vakuumverpackten Produkten, gefolgt von Milchtüten und Konservendosen. Deshalb haben Experten für fast jede Verpackungsform eine Alternative entwickelt: Getränkedosen mit Taille, die sich leichter greifen lassen, Gummi-Oberflächen für mehr Halt beim Öffnen, Konserven mit einem Schraubverschluss.

Zu den Vorreitern bei seniorenfreundlichen Verpackungen gehört die SCA Tissue Europe mit Hauptsitz in München. Für die "Komfort-Öffnung" des Toilettenpapiers Zewa Soft heimste sie den Titel "Produkt des Jahres 2008" der Lebensmittel-Zeitung ein. Eine perforierte Aufreißlasche an der Seite erleichtert das Öffnen. Die wichtigsten Informationen stehen klar und gut lesbar in einer Infobox.

Entwickelt wurde das neue Design in Zusammenarbeit mit dem Meyer-Hentschel-Institut und dessen Age Explorer, einem speziellen Anzug, durch den die Produktentwickler die Probleme der älteren Kunden selbst erleben können. "Durch den Age Explorer ist es uns gelungen, Mehrwert für den Konsumenten zu erzeugen und mehr Komfort im Handling anzubieten", sagt Jochen Sendelbach, Markenmanager bei SCA.

Besonders schwierig ist es, Medikamente seniorenfreundlich einzupacken. Denn hier stehen sich Kindersicherheit und Seniorenfreundlichkeit gegenseitig im Weg. Die Melsungener Etiketten-Druckerei Faubel & Co. hat daraus ein spezielles Booklet-Label entwickelt: Solange das Heft an der Tabletten-Packung befestigt ist, können Kinder die Pillen nicht herausdrücken. "Zudem stehen im Inneren des Booklets die Patienteninformationen. Das ersetzt die unhandlichen Beipackzettel", erklärt Marketing- und Vertriebsleiter Sascha Sonnenberg: "Es gibt immer mehr Verpackungen, die sich nur durch logisches Vorgehen einfach öffnen lassen." Er findet: Ein guter Ansatz, um Verpackungen seniorengerechte und kindersicher zu machen.

Die Nachfrage wird nach Ansicht des Faubel-Marketingleiters auch in Zukunft nicht nachlassen: "Die demografische Entwicklung unterstützt den Trend und die Unternehmen müssen darauf reagieren." Seniorenmarketing-Experte Gundolf Meyer-Hentschel sieht darin auch einen Vorteil für den Rest der Konsumenten: "Letztlich hat jeder Kunde Probleme mit unpraktischen Verpackungen. Von neuen Lösungen werden somit alle profitieren."

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