Serie: Aus bester Familie
Naschen gehört zum Job

Seit über 200 Jahren steht das Familienunternehmen J.G. Niederegger für Marzipan aus Lübeck: Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren seine Produktpalette kontinuierlich ausgebaut, obwohl Marzipan bis heute ein Nischenprodukt unter den Süßwaren darstellt. Demnächst könnte erstmals eine Frau die Geschicke des Unternehmens lenken.

LÜBECK. Schon früh am Morgen geht es los mit der Nascherei: Bevor sich Holger Strait an den Schreibtisch setzt, geht er in die Produktionshalle und probiert einen Löffel Marzipan. Nicht zu süß darf es sein, nicht zu trocken. Jeden Morgen kostet der Chef des Lübecker Familienunternehmens J.G. Niederegger von der Tagesproduktion des Rohmarzipans, bevor daraus Pralinen werden.

Erstaunlicherweise nascht er nach 21 Jahren an der Spitze der Firma noch immer gerne Marzipan. Aber es ist auch Teil seines Jobs: „Bei Naturprodukten gibt es immer die Schwierigkeit, einen gleich bleibenden Geschmack hinzubekommen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Vor allem, wenn nur Mandeln und Zucker verrührt werden und dabei das Produkt herauskommen soll, für das Niederegger in vielen Ländern seit zwei Jahrhunderten bekannt ist: Marzipan aus Lübeck.

Voriges Jahr hat das Familienunternehmen seinen 200. Geburtstag gefeiert. Strait hat dabei die Gelegenheit genutzt, um kräftig die Werbetrommel zu rühren. Denn Marzipan ist ein Nischenprodukt, das nur zu besonderen Ereignissen gekauft wird: Der Durchschnitts-Bürger nascht im Jahr knapp 33 Kilogramm Süßwaren. Doch auf „Zuckerwaren ohne Kakaogehalt“, wie die Produktgruppe in der Statistik geführt wird, entfallen gerade mal ein halbes Kilo. Neben Niederegger gibt es eine Handvoll Marzipanhersteller in Deutschland, darunter Erasmi & Carstens, Minden & Bruhns sowie Zentis.

Am liebsten wird Marzipan zur Weihnachtszeit gegessen – oder allenfalls zum Besuch der Schwiegermama gekauft. Holger Strait weiß, dass auch Niederegger daran nicht rütteln kann. Marzipan schmeckt nun einmal nicht zu Bier und Sportschau oder im Sommer am Strand. „Wir können nicht die Verzehrgewohnheiten der Verbraucher verändern“, sagt er.

Allerdings sind seine Produktentwickler erfinderisch und schaffen Konfekt, das neue Zielgruppen anspricht. „Es ist bemerkenswert, wie sehr Niederegger sein Produktportfolio in den vergangenen Jahren ausgebaut hat“, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie anerkennend.

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