Service-Roboter
Automation kommt langsam in Fahrt

Ob als einfacher Montagearbeiter oder als fahrende Minibar - automatisierte Roboter lassen sich in vielen Lebensbereichen einsetzen. Entwickler arbeiten mit Hochdruck an Service-Robotern, die sich frei bewegen können und fast ganz allein zurechtkommen.

KÖLN. Die Ingenieure am Lehrstuhl für Angewandte Mechanik der TU München sind äußerst kreative Zeitgenossen. Ihr letztes großes Projekt, ein Roboter mit menschenähnlichem Gang, bekam den Namen "Johnnie" - in Anlehnung an die bekannte amerikanische Whiskeymarke mit dem Spaziergänger auf dem Etikett. Das aktuelle Projekt "Lola" soll nicht nur aussehen wie die rennende Filmfigur. Der Roboter soll auch besonders schnell laufen können.

In spätestens 20 Jahren werden humanoide Serviceroboter zum Alltag der Menschen gehören, glaubt Heinz Ulbrich, Chef des Lehrstuhls. Davor steht indes noch viel interdisziplinäre Forschungsarbeit an: Gefragt sind Biomechanik, Neurobiologie und Informationstechnik. Die ersten mobilen Automaten sind derweil längst im Einsatz: Etwa fahrerlose Transporter und Gabelstapler, die in Lagerhallen oder Häfen Waren umschlagen. Wenn es nach den Herstellern von Automationslösungen geht, sollen mobile Roboter ihren menschlichen Kollegen bald auch bei der industriellen Produktion zur Hand gehen. Ebenso im Service und überall dort, wo die Arbeit mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist.

"Der Trend in Forschung und Industrie geht eindeutig hin zu frei fahrenden Systemen, die auch Hindernissen ausweichen", weiß Kai Pfeiffer, Gruppenleiter im Bereich Servicerobotik am Fraunhofer für Produktionstechnik und Automatisierung-Institut (IPA).

Die Herausforderung für die Industrie liegt dabei nicht so sehr darin, den neusten Stand der Roboter-Technik anzubieten. Meistens reicht es schon, Standard-Hardware wie Greifarme mit einer mobilen Plattform auf Rädern zu kombinieren - plus einer Software, die alle Einzelteile koordiniert. "Es ist wichtig, wirtschaftlich interessante Anwendungen auf die Beine zu stellen", sagt Oliver Barth, Leiter der Abteilung Robotik bei Neobotix aus Stuttgart.

So sieht es auch Udo Henkel, Geschäftsführer bei Henkel + Roth, einem Spezialisten für Handhabungs- und Transfertechnik aus Ilmenau. "Mobile Roboter brauchen nur ein gewisses Maß an Freiheit, müssen dafür umso robuster und bedienungsfreundlicher sein." Gemeinsam mit Neobotix haben die Thüringer einen industrietauglichen mobilen Manipulator entwickelt, der sich ohne Kräne oder Schienen flexibel zwischen mehreren Arbeitsstationen hin- und her bewegen kann.

Henkel versteht das Gerät nicht als Konkurrenz zum menschlichen Kollegen, sondern als nützliches Werkzeug, das die Mitarbeiter entlastet, indem es Bauteile von A nach B schleppt und eintönige Montagearbeiten übernimmt. Der Mobile Robot kann mit seinem 180 Zentimeter langen Greifarm Werkstücke von bis zu zehn Kilogramm stemmen und diese an einem beliebigen Ort ablegen oder sogar montieren. Über eine Kamera korrigiert der Kollege aus Kunststoff und Metall die Anfahrt an den Arbeitsplatz selbstständig, wobei die mobile Plattform gleichzeitig zum Ablegen und Umgreifen dient. Die Batterie des drahtlosen Gerätes hält eine Schicht lang. Bei Bedarf kann ein menschlicher Werker den Roboter an der Fertigungsstation jederzeit ersetzen. Sicherheitsvorschriften verbieten jedoch, dass Mensch und Maschine gleichzeitig an einer Arbeitsstation beschäftigt sind.

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