Sicherheitsexperte Kötter
„Viele wissen nicht, was sie tun“

Die Security-Branche legt seit langem ein rasantes Wachstum vor. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Friedrich P. Kötter, Chef des gleichnamigen deutschen Wach- und Sicherheitsdienstleisters, warum Billiganbieter eine Gefahr für den Markt sind und warum das Risiko für Geldtransporte in Deutschland 500 Mal niedriger ist als in England.
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Handelsblatt: Herr Kötter, Sicherheit ist ein sensibles Geschäft. Wie fasst man auf diesem Markt eigentlich Fuß?

Friedich Kötter: Das geht relativ schnell. Sie fahren zur Industrie- und Handelskammer und setzen sich 80 Stunden in einen Kurs. Anschließend gehen Sie zum Gewerbeamt, legen den IHK Schein und ein eintragungsfreies Führungszeugnis vor und kaufen sich den Gewerbeschein. Und schon können Sie sich als Sicherheitsunternehmer betiteln.

Dann könnte ich ja schon in vier Wochen Ihr Konkurrent sein.

Wir würden Sie dann nicht Konkurrent nennen, sondern Marktbegleiter. Aber davon abgesehen: ja.

Das wirkt nicht besonders seriös.

Was den Markteintritt betrifft, muss ich Ihnen da leider zustimmen. Aber dies ist nur die eine Seite. Gleichzeitig haben die seriösen Anbieter die Branche in Sachen Qualität deutlich vorangebracht. Sonst würden wir wohl kaum Dienstleistungen an Flughäfen oder in Haftanstalten übernehmen können und so einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Sicherheit leisten.

Trotzdem: gelten für Sicherheitsunternehmen nicht besondere Gesetze?

Wir würden uns sehr wünschen, dass Deutschland dem Beispiel vieler Länder folgt und ein Sicherheitsgesetz besonderes Gesetz erlässt, so wie es das für den Luftsicherheitsbereich bereits gibt. Das ist bisher aber nicht passiert.

Warum?

Weil es immer, wenn der Gesetzgeber dieses Thema anfasst, keine Einigung gibt. Das Innenministerium würde gern mehr Qualität in die Branche bringen. Da wir aber auf Grundlage einer Gewerbeordnung arbeiten und dem Wirtschaftsministerium unterliegen, sagt dieses: Eure Branche ist so sexy, die schafft so viele Arbeitsplätze, da lassen wir lieber jeden rein und schaffen so viel Wettbewerb wie möglich.

Wettbewerb ist ja nichts Schlechtes

Nein. Aber Qualität auch nicht. Wir sprechen hier über eine sehr schnell wachsende Branche. Es gibt jetzt schon 3700 Unternehmen im Markt. Und leider wissen nicht alle, was sie tun.

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