Sicherheitstipps Wie Sie in Brasilien überleben

Die angespannte Sicherheitslage in den brasilianischen Metropolen ist regelmäßig Thema in der internationalen Presse. Oft geistern wahre Horrormeldungen durch die Gazetten. Dabei ist zu beachten, dass spektakuläre Morde oder Entführungen natürlich auch auflagenträchtig sind und mitunter ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Lage vermitteln. Trotzdem: Wer geschäftlich nach Brasilien reist, sollte einige Regeln unbedingt beachten.
  • Alexander Hirschle, bfai
Anschlag auf Polizeistation in Sao Paulo: Gewalt ist alltäglich. Foto: ap

Anschlag auf Polizeistation in Sao Paulo: Gewalt ist alltäglich. Foto: ap

SAO PAULO. Die Erfahrungsberichte von länger in Brasilien ansässigen Expatriates unterscheiden sich mitunter erheblich. Ja nach subjektiver Risiko- bzw. Gefahrenwahrnehmung und vor allem auch in Abhängigkeit von tatsächlich erlittenen Gewaltdelikten werden Sie die Stimmen von "alles kein Problem und übertrieben" bis hin zu "die Hölle auf Erden" vernehmen. Menschen, die selbst oder deren Familienangehörige Opfer von Verbrechen wurden, tendieren naturgemäß zu verschärften Schilderungen der Sicherheitslage. Die psychologischen Folgen solcher Vorkommnisse sind nicht zu unterschätzen und können ein Weiterleben vor Ort stark erschweren.

Zwar ereignet sich ein Großteil der jährlich rund 45.000 in Brasilien gezählten Morde in den Armenvierteln unter rivalisierenden Banden oder im Drogenmilieu. Dennoch sind die Gefahren auch für die Mittel- und Oberschicht vielfältig und nicht zu unterschätzen. Häufigste Verbrechensformen, von denen Expatriates betroffen sind, dürften Taschendiebstähle, Wohnungseinbrüche, Blitzentführungen, am Telefon angedrohte Entführungen eines Verwandten, Überfälle an Kreuzungen oder Autodiebstahl sein - offizielle Statistiken hierzu gibt es nicht. Doch mit zunehmender Aufenthaltsdauer vor Ort häufen sich die Nachrichten von Kollegen, Bekannten und Freunden, die Opfer von Verbrechen wurden. Dadurch stellt sich - nicht nur bei Ausländern - der Eindruck ein, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man selbst an der Reihe ist.

Um dies zu vermeiden, gibt es eine Reihe von Sicherheitsratschlägen. Diese sollten dringend beherzigt werden, auch wenn sie zu erheblichen Einschränkungen des Alltagslebens führen. Doch mit der Zeit gehen die Verhaltensweisen in Fleisch und Blut über, so dass man sie als Normalität ansieht. Erst wenn man wieder in "sicheren Gefilden" wie zum Beispiel in Deutschland ist, werden einem die neu gewonnen Freiheiten wieder bewusst. Eine große Gefahr besteht darin, dass man nach einer gewissen Zeit ohne Zwischenfälle die Sicherheitsmaßnahmen lockert und nach dem Motto "es ist ja auch bisher gut gegangen" leichtsinnige Verhaltensweisen einreißen lässt. Dies sollte unbedingt vermieden werden. Als Gegenmaßnahme empfiehlt sich der tägliche Blick in die Zeitungen oder die Gespräche mit dem Wachmann auf der Straße, der Ihnen die weiterhin angespannte Lage wieder vergegenwärtigen wird.

Für die Problematik ist in mittelbarer Zukunft keine Besserung in Sicht, Patentrezepte gibt es nicht. Nur über langfristige Maßnahmen wie unter anderem hohe Investitionen in Bildung und eine Verringerung der Einkommensdisparitäten in Brasilien, flankiert von einem effizienteren Polizeiapparat könnte sich das Gefahrenpotenzial verringern. Dennoch kann der Expatriate in Brasilien einen durchaus angenehmen Aufenthalt verbringen, da dass Land unzählige Sehenswürdigkeiten und eine enorme kulturelle Vielfalt aufweist. Darüber hinaus sind die Menschen im Alltag sehr freundlich und gerade gegenüber Deutschen sehr aufgeschlossen.

Allgemeine Grundregeln sowie Verhaltensregeln:

  • Die oberste Regel im Alltagsleben Brasiliens heißt: "Low Profile"! Das beinhaltet das Tragen unauffälliger Kleidung im Alltag, Diskretion im Umgang mit Kollegen, Bekannten und vor allem Fremden, Zurückhaltung mit Informationen über Wohnort, Schule der Kinder und allem, was auf ihren Vermögensstand Rückschlüsse zulässt.
  • Vermeiden Sie Routine. Variieren Sie wenn möglich die Anfahrtswege und -zeiten zu Ihrem Arbeitsplatz, gehen Sie nicht immer an den selben Tagen und Uhrzeiten zum einkaufen, joggen, oder in Ihr Lieblingsrestaurant.
  • Informieren Sie Familienangehörige genau über Ihren Tagesablauf und stellen Sie sicher, dass ihr Handy funktioniert, um sich bei obskuren Anrufen ("wir haben Ihre Frau entführt") schnell vom Gegenteil überzeugen zu können.
  • Informieren Sie sich regelmäßig in den Medien, bei Seminaren oder auch im Gespräch mit Kollegen und Freunden über neue Tendenzen bei Verbrechen. Welche Stadtviertel sind derzeit besonders gefährdet, welche Art von Übergriffen hat zuletzt stark zugenommen, welche Gegenmaßnahmen sind zu ergreifen? Der "Sektor" ist dynamisch und modifiziert seine Mechanismen.
  • Leisten Sie bei Überfällen keinen Widerstand. Bleiben Sie ruhig und folgen den Anweisungen des Täters. Vermeiden Sie Augenkontakt und abrupte Bewegungen. Sprechen Sie nicht auf deutsch oder englisch mit anderen Personen während des Überfalls. Kündigen Sie ihre Handlungen vorher an (zum Beispiel: "Ich werde jetzt langsam den Sicherheitsgurt aufmachen und dann aus dem Auto steigen"). Die Täter sind oft jung, nervös, im Regelfall bewaffnet und machen bei Gegenwehr oder Fluchtversuch rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch!

Sicherheitshinweise für Wohnungen und Häuser:

  • In den Großstädten Brasiliens hat man die Wahl, in einem freistehenden Haus, einem Hochhaus mit Pförtner oder in einem sogenannten Condominio zu wohnen. Diese aus den USA stammende Wohnform findet in Brasilien in jüngerer Vergangenheit immer stärkere Verbreitung. Es handelt sich um Komplexe von etwa sechs bis zu mehreren hundert Häusern, die von hohen Mauern umgeben sind und durch einen professionellen Wachdienst rund um die Uhr gesichert werden.
  • Der Sicherheitsstandard ist bei den besseren Ausführungen höher als in einzeln platzierten Hochhäusern, da die Wachmannschaften größer, besser organisiert und ausgebildet sind. Darüber hinaus ist es für Einbrecher schlicht und einfach schwieriger, mehrere Gebäude zu kontrollieren als nur ein einzelnes - früher oder später würden den anderen Bewohnern Unregelmäßigkeiten wie zum Beispiel unbekanntes Wachpersonal auffallen.
  • Die Nachfrage nach alleinstehenden Häusern ist in den vergangenen Jahren aufgrund der angespannten Lage drastisch zurückgegangen. Der Bewohner hat hier den Nachteil, seine Sicherheit selbst organisieren zu müssen. Achten Sie als Hausbesitzer darauf, dass ihre Eingangstüren sehr gut beleuchtet und von Innen einsehbar sind (evtl. über ein Monitoringsystem). Wenn Sie das Gebäude verlassen, sollten Sie zuvor einen Blick auf die Straße werfen können. Falls sich dort verdächtige Personen aufhalten, ist der Wachdienst zu informieren. Unabhängig von der Wohnform sollten Sie die Lebensläufe ihrer Angestellten genau überprüfen, eine hohe Mauer inkl. Alarmanlage besitzen und niemanden zur Tür hineinlassen, der Ihnen nicht bekannt ist bzw. nicht angekündigt wurde.

Verhalten im Straßenverkehr:

  • Auch im Straßenverkehr kann es zu kriminellen Angriffen kommen. Zahlreiche Überfälle finden an Kreuzungen, Ampeln oder anderen Stellen statt, wo man zum langsamen Fahren oder zum Anhalten gezwungen ist. Die Übergriffe geschehen zu jeder Tageszeit und sind keineswegs nur auf Armenviertel begrenzt. Vor allem in schickeren Geschäftsvierteln oder Kneipengegenden wittern die Verbrecher nicht ganz zu unrecht dicke Geldbeutel und somit hohe "Umsätze". Um Überfälle zu vermeiden, sollten Sie sich roten Ampeln langsam nähern - die Warte- und somit potenzielle Zugriffszeit muss so gering wie möglich gehalten werden. Viele Einheimische ignorieren rote Ampeln aus diesem Grund. Verriegeln Sie ihre Türen, fahren Sie nicht mit offenem Fenster (eine gute Klimaanlage ist daher zu empfehlen) und rüsten Sie ihre Scheiben mit verdunkelter Folie aus.
  • Anders als in Deutschland können öffentliche Verkehrsmittel in São Paulo und Rio de Janeiro nur mit Einschränkungen genutzt werden. Als recht sicher gilt in beiden Städten das U-Bahn-Netz. Es ist allerdings nicht flächendeckend und nur Wenige werden es tatsächlich für ihre Tagesroutine nutzen können. Fahrten in Taxis gelten als vergleichsweise ungefährlich. Nutzen Sie die offiziellen Flughafen- oder Hoteltaxis oder Taxistände. Vorsicht ist geboten beim Transport von Laptops aus dem Flugzeug in Taxis oder Fahrzeuge. Diese sollten mit einer unauffälligen Verpackung ausgestattet werden. Auf der Straße ist das Tragen von Laptops absolut nicht zu empfehlen.
  • Sollten Sie diese Tipps beherzigen, können Sie das Risiko eines kriminellen Übergriffs schon deutlich reduzieren und somit auch das "andere" Brasilien mit herrlichen Naturschönheiten und seiner unvergleichbaren Lebensfreude kennen und genießen lernen.
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