Social Entrepreneurship
Geld für Sozialunternehmer

Bisher gibt es für „Sozialunternehmer“ in Deutschland keinen funktionierenden Kreditmarkt. Private Banken vergeben meist keine Kredite an Firmen, die soziale Zwecke verfolgen. Die Alternative für sie: „Social Entrepreneurship“.

FRANKFURT. Als Andreas Heinecke die Idee hatte für eine Ausstellung, die nur mit Hilfe von Blinden besucht werden kann, winkten die privaten Banken erst einmal ab. Sein Plan für die Selbstständigkeit war auf diesem Weg zunächst nicht zu realisieren.

Für Fachleute sind solche Widerstände in der Kreditwirtschaft teilweise verständlich. Denn der Gedanke, mit sozialen Leistungen Geld zu verdienen, ist hier zu Lande noch neu. „Das Thema ist aber stark im Kommen“, sagt Ann Kristin Achleitner, Inhaberin des KfW-Stiftungslehrstuhls für „Entrepreneurial Finance“ an der Technischen Universität München. Deshalb rücke „Social Entrepreneurship“ als eine Teil-Lösung des Problems angesichts der finanziellen Situation des Staates und auch der Kirchen immer stärker in den Fokus.

Dabei gehe es nicht darum, die klassischen Geldgeber zu ersetzen, sondern das Angebot durch sozial engagierte Investoren zu erweitern. Bisher gibt es nämlich für „Sozialunternehmer“ in Deutschland noch keinen funktionierenden Kreditmarkt. Investitionskredite werden daher fast ausschließlich über öffentliche Mittel finanziert.

Auch Sozialunternehmer Heinecke musste ohne Bankenhilfe an den Start gehen. Heute finanziert sich seine Consens Ausstellungs GmbH bereits zu 84 Prozent aus eigenen Mitteln. Die Eigenmittel generiert er aus Ticketverkäufen, Seminaren und der Vergabe von Lizenzen. Der „Dialog im Dunkeln“ ist mittlerweile so erfolgreich, dass er weltweit über ein Franchiseverfahren vertrieben wird. In der Ausstellung zeigen überwiegend blinde und sehbehinderte Menschen den Besuchern, dass ihre Welt nicht ärmer ist, sondern nur anders.

In Frankfurt wurde bereits das zweite Dialogmuseum auf deutschem Boden eröffnet. Franchise-nehmerin Klara Kletzka erhielt 80 Prozent des Investitionskredites aus öffentlichen Mitteln – anders als Gründer Heinecke profitierte sie aber auch von einem Sozialinvestor. Denn die Finanzierungslücke wurde mit einem Darlehen der Bon-Venture-Gruppe geschlossen.

Der Investor, der jährlich Hunderte von Anfragen erhält, vergibt Kapital ausschließlich an Sozialunternehmer. Das Geld stammt aus Kommanditbeteiligungen. Bon Venture thesauriert die Gewinne und verspricht seinen Kommanditisten lediglich einen Kapitalerhalt. Die Prüfungstiefe der Beteiligungsgesellschaft entspricht der einer Bank, doch sie bewertet auch den so genannten „social impact“. Bisher sind diese sozialen Wirkungen jedoch nicht messbar, und es gibt auch noch keine Standards.

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