Software
Bosch geht ins Internet der Dinge und Dienste

Das Traditionsunternehmen Bosch drängt mit Macht ins Internetzeitalter - und will dabei die Softwareentwicklung selbst in die Hand nehmen. Ziel: Intelligente Autos, Heizungen und Kühlschränke.
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Stuttgart, FrankfurtFür Bruno Braun, den Präsidenten des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), ist die "Vierte Industrielle Revolution" bereits im Gange. Nach Dampfmaschine und Fließband hatte zuletzt der Computer das Wirtschaftsleben revolutioniert. Nun gelte es, die Industrie in das digitale Zeitalter zu transferieren. Wer diesen Technologiesprung nicht schaffe, verliere erst seinen Vorsprung und anschließend womöglich auch seine Existenzberechtigung. Die Vorstände von Bosch teilen diese Lagebeurteilung - und lassen ihr nun Taten folgen: Der weltgrößte Automobilzulieferer hat für einen zweistelligen Millionenbetrag den Software-Anbieter Inubit aus Berlin gekauft - und hält nach weiteren Programmierspezialisten Ausschau. Bosch will sich durch derartige Zukäufe ins digitale Zeitalter katapultieren.
Ziel ist es, die nötige Software für intelligente Autos oder Kühlschränke, die via Internet vernetzt sind, selbst zu programmieren. Bosch will das lukrative Geschäft nicht länger Spezialisten wie der Walldorfer SAP, dem US-Konzern Google oder Telekommunikationsanbietern überlassen.

Der Stuttgarter Konzern, der einst mit Zündkerzen groß wurde, legt damit nach Handelsblatt-Informationen den Grundstein für ein neues Geschäftsfeld: "Bosch baut sich ein eigenes Software-Systemhaus", sagt Heinz Derenbach, Chef der neuen Einheit. Man rüste sich damit für eine digitale Welt, in der Maschinen nicht mehr nur stupide Diener der Menschen sind, sondern weitgehend eigenständig arbeiten.

Die neue Technik findet sich etwa in Mähdreschern, die das Feld GPS-gesteuert besser abmähen, als es ein Mensch könnte. Pharmakonzerne forschen an mit Chips versehenen kleinen Pillen, die dem Arzt alle wichtigen medizinischen Daten aus dem Körper des Patienten auf den PC liefern. Und es geht - für den Zulieferer Bosch besonders interessant - um Autos, die bei einem Unfall automatisch den Notarzt rufen, wie das in neuen BMW-Modellen eingebaute Rettungssystem E-Call.
Der neue Trend wird die Industrie, die in Deutschland rund 23 Prozent zur Bruttowertschöpfung der Volkswirtschaft beiträgt, verändern wie kaum eine Innovation zuvor. Nach Schätzungen des IT-Branchenverbandes Bitkom lockt ein riesiger Markt: Allein im laufenden Jahr werden demnach Produkte mit eingebauter IT-Intelligenz im Wert von 19 Milliarden Euro verkauft. Das jährliche Wachstum schätzen die Experten auf elf Prozent.

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