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Direkter Draht nach oben

Ein Berliner bringt mit seiner Software Dax-Vorstände und ihre Mitarbeiter ebenso zusammen wie Kanzlerin Angela Merkel und ihre Bürger. Über die Hintergründe einer zündenden Idee.

Wenn Angela Merkel ihm auf eine Mail früher und besser geantwortet hätte, dann wäre Caveh V. Zonooz heute wohl nicht Geschäftsführer von "Direktzu", hätte keine 22 Mitarbeiter und wohl auch nicht für dieses Jahr schon einen siebenstelligen Umsatz in den Büchern stehen. Many-to-one heißt das Geschäftsmodell, welches der 36-Jährige vor zweieinhalb Jahren ausgeheckt hat. Viele Absender können sich via Internet an einen Empfänger wenden.

Auf die Idee kam Zonooz aus Frust. Zusammen mit anderen hatte er als Student der Fachhochschule Brandenburg eine Idee für eine andere Präsentation von Immobilien im Internet entwickelt. Die Studenten bewarben sich beim Wirtschaftsministerium um eine Förderung. "Keiner hat verstanden, was wir machen wollen, und es passierte ewig nichts", erzählt Zonooz. Also schrieb er eine E-Mail an die Bundeskanzlerin - und bekam erst einen Monat später eine total unpersönliche Standardantwort. Wenig später sah er sich den Podcast von Frau Merkel an, es ging darum, dass die Regierung Geld investieren will, damit Ideen aus Deutschland besser vermarktet werden. "Da wollte ich am liebsten in den Monitor springen und ihr sagen, wir sind tolle Jungs, fördern Sie uns", sagt Zonooz. Also überlegte er, wie man mit der Kanzlerin in einen Dialog treten könne.

"Die Kanzlerin direkt" heißt Merkels Podcast - noch am selben Tag registrierte Zonooz die Seite "direktzurkanzlerin.de". Mit Kommilitonen entwickelte er innerhalb nur einer Woche die erste Version seiner Kommunikationsplattform. Es folgten viele Gespräche, die Reaktionen waren ernüchternd. "Alle sagten, das brauchen wir nicht, sie wird nicht antworten, es gab nur negatives Feedback", so Zonooz. Trotzdem legte der Sohn einer Perserin und eines Griechen einfach los. Er stellte die Seite online, verfasste eine Pressemitteilung, Medien berichteten und nach drei Wochen beschloss die Kanzlerin, dass sie sich auf die Sache einlässt. In der Praxis sieht das so aus: Die Biologin Eva-Maria Riester will wissen, warum die Bundesregierung nichts unternimmt, um die Verwendung giftiger Uranmunition zu unterbinden. Sie stellt ihre Frage auf der Website. Andere, die die Frage interessant finden, stimmen für sie. Jede Woche werden dann die drei Fragen mit den meisten Stimmen ans Bundeskanzleramt weitergeleitet und dort beantwortet. Die Antworten kann jeder nachlesen.

"Wir bündeln, filtern und priorisieren die Fragen", sagt Zonooz. Seine Firma habe spezielle Algorithmen entwickelt, die erkennen, ob es bereits ähnliche Fragen gibt, und wenn ja, wird dem Fragesteller vorgeschlagen, sich einer anderen Frage anzuschließen. Was die Chance, eine Antwort zu erhalten, erhöht. Heute nutzen auch Familienministerin Ursula von der Leyen, Bundestagspräsident Norbert Lammert, die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Niedersachsen, Berliner Senatoren sowie der Münchener Oberbürgermeister Direktzu - und sie zahlen dafür.

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