Solarenergie
Subvention mit Augenmaß gefordert

Die Förderung der Solarenergie sinkt. Damit wächst der Druck auf die Hersteller, die Kosten zu senken. Gleichzeitig wächst der Wettbewerb zwischen den Anbietern. Ohne eine effektive Einspeisevergütung könnte der Solarmarkt in Deutschland kollabieren.

MAINZ. Der Preisdruck auf die Solarhersteller ist zuletzt deutlich gestiegen. Seit dem 1. Januar 2009 gilt eine neue Version des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) mit stärker als bislang sinkender Einspeisevergütung. "Durch dass EEG 2009 ist die Solarförderung merklich schneller gesunken als in den Jahren zuvor", sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbands für Solarwirtschaft (BSW-Solar). Waren es bisher fünf bis 6,5 Prozent jährlich, sind es jetzt je nach Anlagenklasse acht bis zehn. So bekam ein Bauherr zum Beispiel im vergangenen Jahr für seine neu installierte Solaranlage laut BSW-Solar noch 46 Cent Vergütung pro Kilowattstunde Strom. In diesem Jahr sind es nur noch 43 Cent. Der Bonus für Anlagen, die in Fassaden integriert sind, fällt ganz weg.

Die Konsequenzen: Solarhersteller müssen ihre Preise senken, um die Kunden bei der Stange zu halten. Im ersten Quartal 2009 sind schlüsselfertige Solaranlagen laut BSW-Solar entsprechend um acht bis zehn Prozent billiger geworden. "Es gibt spürbar weniger Subventionszahlungen", sagt Michael Pack, Vorstandsvorsitzender des Solarherstellers Systaic AG in Düsseldorf. Angepasst an das Marktwachstum sinken die EEG-Förderungssätze, damit die Hersteller durch Innovationen und Rationalisierungen Kosten senken. "Das neue EEG geht in die richtige Richtung", sagt Pack. Ziel des Bundesumweltministeriums (BMU) ist es, dass bis 2015 der Strom aus Photovoltaikanlagen genauso viel kostet, wie der Endverbraucher für seinen Strom bezahlt und die Förderung abnimmt. "Der Solarmarkt kann nur funktionieren, wenn keine Subventionszahlungen mehr nötig sind", sagt Pack.

Doch nicht alle Hersteller sind von der veränderten Förderung überzeugt. Die Aleo Solar AG in Prenzlau sieht die schneller als bisher gesenkten Einspeisevergütungen des EEG 2009 wenig positiv: "Im ersten Quartal dieses Jahres war die Preisfindung besonders hart für die Solarmodulhersteller", sagt der Vorstandsvorsitzende Jakobus Smit. Am Anfang des Jahres haben die Hersteller regelmäßig mit gesenkten Fördersätzen zu kämpfen und müssen ihre Preise anpassen. In diesem Jahr kam zu den schneller als bislang gesunkenen Einspeisevergütungen noch der harte Winter, der zu einer Verzögerung der Kaufentscheidung geführt hat. Erst seit Mai zieht das Geschäft laut Smit wieder an. Er erwarte vom EEG in Zukunft vor allem Kontinuität: "Sollte am EEG nachjustiert werden und die Einspeisevergütung noch weiter gesenkt werden, würde der Solarmarkt in Deutschland kollabieren", warnt Smit.

Welche Folgen eine zu üppige Förderung haben kann, zeigt sich derweil in Spanien. Dort herrschte bis vergangenes Jahr ein beispielloser Solar-Boom: Von den im Jahr 2008 weltweit neu installierten Anlagen mit einer Gesamtleistung von 5,6 Gigawatt entfielen 2,5 Gigawatt auf Spanien. Zum Vergleich: Beim Solar-Musterschüler Deutschland waren es 1,5 Gigawatt. Viel Sonne und immense Einspeisevergütungen lockten auch deutsche Solarhersteller nach Spanien. "Dort gab es fast dieselbe Einspeisevergütung wie in Deutschland, und das bei einer rund 40 Prozent stärkeren Strahlungsquelle", erklärt Jan Kai Dobelmann, Präsident der deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Auch die Düsseldorfer Systaic AG witterte gute Geschäfte und baute in Spanien Solarkraftwerke mit mehr als 20 Megawatt Leistung. Ende September 2008 aber kürzte die spanische Regierung die Förderung drastisch und deckelte die Einspeisevergütung für 2009 auf bescheidene 500 Megawatt. Viele Solarfirmen verabschiedeten sich daraufhin aus dem Markt. Auch Systaic reagierte auf die gesenkte Förderung - und verkaufte im November ihre Solarparks in Cordoba.

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