Solarstrom wird attraktiver
Ölpreis heizt Markt für Sonnenwärme an

Weil die Energiepreise steigen, heizen und kühlen Hausbesitzer immer häufiger mit Solarstrom. Im Durchschnitt amortisieren sich die Anlagen nach etwa zehn Jahren.

KÖLN. Die Touristen lagen Familie Rödlach früher schwer auf der Tasche. 3500 Liter heißes Wasser lassen die Gäste im Hotel „Karwendel“ in Seefeld in Tirol jeden Tag aus Duschen und Wasserhähnen. Früher heizten die Hoteliers jeden Tropfen davon mit Heizöl auf. Bis vor zwei Jahren ein 300 Quadratmeter großer Schwimmteich im Hotelgarten entstehen sollte. „Den Teich mit Strom oder Öl zu beheizen, das wäre viel zu teuer gewesen“, sagt Martina Rödlach. Stattdessen schraubte sich die Inhaberfamilie Sonnenkollektoren aufs Dach. Eine 84 Quadratmeter große Solarthermieanlage wärmt heute nicht nur den Teich, sondern an schönen Tagen auch das Hallenbad und das Duschwasser für das 80-Betten-Haus. Martina Rödlach ist begeistert: „Wir brauchen 60 Prozent weniger Heizöl als früher.“

Die Kollektoren hat das Unternehmen Citrinsolar aus dem oberbayerischen Moosburg geliefert. Dort boomt das Geschäft mit Sonnenheizungen: Um fast 50 Prozent legte der Umsatz allein im vergangenen Jahr zu. Vor ein paar Jahren waren solche Wachstumszahlen in der Wärmebranche noch nicht denkbar. Hohe Wachstumsraten verzeichneten dagegen Photovoltaikanlagen, also Solarzellen, die Sonnenlicht direkt in Strom umwandeln.

Der verwandte Markt für Solarmodule, die Trinkwasser erwärmen oder Wohnungen beheizen, legte bis 2004 nur schleppend zu. Doch nun ist die Solarwärme im Kommen. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt für Sonnenkollektoren und die passenden Wärmespeicher bundesweit um 25 Prozent. In den ersten drei Monaten dieses Jahres planten fast 40 000 Eigenheimbesitzer eine Solaranlage, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Angst vor hohen Öl- und Gaspreisen

Das liegt nicht an einem plötzlichen Öko-Hype: Die zumeist mittelständischen Kollektorenhersteller profitieren vielmehr von explodierenden Preisen für Gas und Heizöl. So mancher wolle unabhängiger werden von den klassischen Energielieferanten, sagt Andreas Siegemund, Geschäftsführer des Kollektorherstellers Consolar in Frankfurt: „Viele Kunden sind zu verunsichert, um sich einen neuen Ölkessel hinzustellen. Weil sie nicht wissen, ob sie sich in zehn Jahren noch das Öl leisten können.“ Wer eine solarthermische Anlage aufs Dach baut, kommt zwar nicht ganz ohne Öl und Gas aus, verbraucht aber zumindest weniger. Nur an trüben Tagen läuft noch der klassische Brenner. Scheint die Sonne, erhitzt sie in den Kollektoren auf dem Hausdach ein Wasser-Frostschutz-Gemisch auf, das sich auf zwei Weisen nutzen lässt: Entweder sorgt die Sonnenwärme nur für heißes Trinkwasser – dann reichen für ein Einfamilienhaus mit vier Bewohnern bereits sechs Quadratmeter Kollektorfläche. Oder die Solaranlage unterstützt den Öl- oder Gaskessel auch beim Beheizen der Zimmer. Dafür braucht die vierköpfige Familie mindestens doppelt so viele Kollektoren.

Früher hätten sich 60 bis 70 Prozent seiner Kunden für die kleinere Variante entschieden, berichtet Hanns Koller aus der Geschäftsleitung des Anlagenherstellers Citrin im oberbayerischen Moosburg. Heute leistet sich die Mehrheit größere Systeme. Wie viel Geld die Solaranlage am Ende spart, hängt vor allem davon ab, wie sich die Energiepreise entwickeln: Steigen sie wie in der vergangenen Dekade um fünf Prozent pro Jahr, amortisieren sich die Kollektoren so nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur bei einem Einfamilienhaus in zehn bis elf Jahren.

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