Sozialer Sektor und alternative Finanzierungen
Genussrecht auf gute Taten

In der privat-gewerblichen Sozialwirtschaft - dem so genannten dritten Sektor - bewerben sich immer mehr Organisationen um die spärlich fließenden Mittel. Wer eine Absage für einen Kredit bekommt, befindet sich in guter Gesellschaft. Auch wird der Wettbewerb um Spenden immer härter. Wie gemeinnützige Unternehmen nach alternativen Finanzierungsinstrumenten suchen.

FRANKFURT. Auf Thomas Röhlingers gemeinnützigem Radiosender Radijojo erzählt der Graslöwe über Chemikalien und Biomasse, oder Sänger Bobby McFerrin antwortet auf Fragen von Kinderreportern. Die Kunden sind Kinder, das Konzept kommt an: Mittlerweile sendet Radijojo auch in Ländern wie China oder der Ukraine. Viele Unternehmen würden einiges dafür geben, in dem Programm etwas sagen zu können – ist Radiowerbung für Kinder doch ein Wachstumsmarkt. Doch Röhlinger ist nicht auf Gewinne aus: Der Geschäftsführer von Radijojo gGmbH in Berlin besteht darauf, dass sein pädagogisch anspruchvolles Programm werbefrei bleibt. Gewinnorientierte Beteiligungen lehnt er ebenfalls ab - im Gegensatz zum Konkurrenten Radio Teddy, an dem Gong und Hubert Burda Medien beteiligt sind.

Röhlinger ist Sozialunternehmer. „Viele Firmen haben uns auch Sach – und Arbeitsleistungen gegen Sendezeit angeboten“, sagt er. Aber auch solche Bartergeschäfte kommen für ihn nicht in Frage. Anfangs hat Röhlinger Radijojo zu 95 Prozent aus Eigenmitteln finanziert, fünf Prozent waren Spenden. Als gemeinnützige GmbH könnte Röhlinger Kredite beantragen. Aber mangels Sicherheiten wurden ihm keine gewährt. Heute besteht der Finanzierungsmix zu 60 Prozent aus öffentlichen Fördermitteln und zu 20 Prozent aus Spenden. Die restlichen 20 Prozent bringt Röhlinger aus Eigenmitteln auf. „Die einzige Alternative dazu war ein Pay-Radio, aber damit hätten wir die sozial Schwächeren nicht erreicht“, sagt Röhlinger. Und gerade um die gehe es.

Seit 2005 ist der Jungunternehmer mit seinem Programm, das über das Internet und Astra-Satellit empfangen werden kann, auf Sendung. Mit den Absagen für einen Kredit befindet sich der Radiogründer in guter Gesellschaft, denn in der privat-gewerblichen Sozialwirtschaft - dem so genannten dritten Sektor - bewerben sich immer mehr Organisationen um die spärlich fließenden Mittel. „Die meisten Banken können bisher den Sozialbereich nicht einschätzen“, heißt es in einer Studie der Bank für Sozialwirtschaft.

Als Substitut für Kredite dienen Spenden, doch auch hier wird der Wettbewerb immer härter. „Im Markt herrscht ein starker Verdrängungswettbewerb“, konstatiert Berater Jörg Mann von Social Consulting aus Düsseldorf, der sich auf Fundraising für gemeinnützige mittelständische Organisationen spezialisiert hat. So etwa, wenn Bußgelder von Parksündern von den Kommunen an gemeinnützige Organisationen verteilt werden. „Die Einrichtungen stehen Schlange, um einen Teil davon zu bekommen.“ Er sieht deshalb auch im dritten Sektor eine eindeutige Tendenz zur Markenbildung: „Besonders kleine und mittlere Organisationen geraten zunehmend unter Druck, so dass für viele langfristig nur eine Fusion mit den großen Organisationen bleiben wird.“

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