Spargelbauer Thiermann
Spargelanbau als strategische Meisterleistung

Heinrich Thiermann ist Deutschlands größter Spargelbauer. Wenn die Saison beginnt, muss er ein Heer von Erntekräften koordinieren. Über 5 000 meist osteuropäische Spargelstecher sind auf seinen Feldern beschäftigt - keine leichte Organisationsaufgabe.

SPARRINGHAUSEN. Um sechs Uhr in der Frühe werden mehr als 1 000 Arbeiter von ihren Unterkünften zu den Feldern gebracht. Allein dafür bedarf es einer ausgefeilten Logistik. Heinrich Thiermann besitzt in Niedersachsen rund 1 000 Hektar Spargel - was der Fläche des Kölner Flughafens entspricht. Dieses Reich ist aber kein zusammenhängendes Areal, vielmehr in 300 Parzellen aufgesplittert, die verstreut in einem Umkreis von 60 Kilometern liegen.

Jeden Tag legt ein genauer Einsatzplan fest, welche Mengen Spargel wo gestochen werden. Dieser Marschbefehl ist Sache der Abteilung fürs operative Geschäft in der Hauptverwaltung. Er wurde am Nachmittag des Vortags erarbeitet, nachdem alle Bestellungen des Lebensmittelhandels eingegangen waren.

Zwischen den Feldern und der Zentrale in dem 350-Seelen-Ort Sparringhausen pendeln mehrmals am Tag Transporter, die das frisch geerntete Edelgemüse zur Packabteilung bringen. Dort sind rund 150 emsige Frauen damit beschäftigt, die weißen Stangen in 500-Gramm-Portionen zu bündeln. Sortiermaschinen und Wiegeautomaten helfen ihnen dabei. Das geht in zwei Schichten bis in die Nacht. Dann bringen Kühlwagen die Ware zu den Handelsketten. Thiermann-Spargel wird in ganz Deutschland vertrieben, auch in Frankreich und in der Schweiz.

Heinrich Thiermann erläutert: "Da muss alles sehr schnell gehen. Schließlich sind das keine Kartoffeln, die ich ein halbes Jahr bunkern kann. Spargel sollte spätestens am zweiten Tag nach der Ernte auf dem Teller des Verbrauchers sein. Sonst schmeckt er nicht mehr so gut." In dem Zusammenhang lobt er Aldi, denn dort fließe die Ware am raschesten.

Die Erntehelfer sind zum größten Teil aus Polen angereist. Wenn es auf die Felder geht, werden sie in 50-Mann-Trupps aufgeteilt. Die Vorarbeiter kommen aus den eigenen Reihen. Sie werden wiederum von deutschen Feldkontrolleuren geleitet. In der Regel sind das studierte Landwirte. Zwei Betriebsleiter in der Zentrale steuern die Erntekampagne. Und Thiermann? "Ich entwickele Strategien und überwache, dass alles richtig umgesetzt wird."

Seine Mitarbeiter beschreiben ihn als niedersächsisches Urgestein, energiegeladen, ständig neue Ideen sprudelnd. Der kraftvoll gebaute Mann kann genau zuhören, aber auch ungeduldig werden, wenn ihm etwas zu langsam geht. Mit seinem Zahlengedächtnis verblüfft er ständig seine Umgebung. Einen akademischen Titel hat er nicht, ist "nur" Landwirtschaftsmeister. Was er von Unternehmensführung und Organisation kennt, hat er sich selbst beigebracht. Dabei liebt er es, in seine bodenständige Sprechweise betriebswirtschaftliche Fachbegriffe einfließen zu lassen.

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