Firmenstart von „Wax in the City“
Was weiblichen Gründern entgegenschlägt

Wenn Frauen ein Unternehmen aufziehen wollen, stoßen sie nicht selten auf Vorurteile. Das mussten auch die Gründerinnen von „Wax in the City“ erfahren. Denn viele Banken zeigen immer noch großes Misstrauen.
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DüsseldorfEs ging um 70 000 Euro. Der Businessplan hatte die Bürgschaftsbank überzeugt, die Zusage lag vor, und der Mietvertrag für das erste Waxing-Studio war bereits unterschrieben. Da machte die Hausbank von Christine Margreiter und Sibylle Stolberg einen Rückzieher: "Wir zweifeln am wirtschaftlichen Erfolg der Branche", hieß es bei der Bank, die seitdem nicht mehr die Hausbank der beiden Berliner Gründerinnen ist.

Damals, im Jahr 2004, war Haarentfernung unter den Achseln, an den Augenbrauen oder in der Bikinizone eine diskrete Sache, über die frau nicht sprach. Sie fand bei Kosmetikerinnen statt, tat weh und war nicht immer professionell, erinnert sich Christine Margreiter.

Ihrem Unmut darüber machte sie bei einem Austernessen unter Freunden Luft. Neben ihr schlürfte Sibylle Stolberg. Die gelernte Mikrobiologin, die als Unternehmensberaterin gearbeitet hatte, entwickelte noch am selben Tag mit der Marketingmanagerin Margreiter die Idee für ihre eigenen Waxing-Studios.

Sie sollten architektonisch weit von der Kosmetikerinnenkabine entfernt sein - und sich auf die Haarentfernung mit Warmwachs in den großen Städten spezialisieren.

Als Margreiter den Begriff "Waxing-Studio" damals in die Google-Internet-Suchmaschine eintippte, gab es null Treffer. Doch beide Frauen, die sich bis dahin nur flüchtig kannten, recherchierten, flogen nach Brasilien ins Mutterland des Waxings und konnten sich mit jedem Tag besser vorstellen, wie das Geschäft mit gut geschulten Mitarbeiterinnen laufen könnte. Schließlich hatten sie ein Bedürfnis ausgemacht, das sie mit vielen Frauen teilten.

Aus Sicht ihrer Hausbank aber passten Margreiter und Stolberg offenbar gleich in mehrere Muster weiblicher Gründerinnen. Das erste besagte: Frauen arbeiten zwar viel, verdienen aber wenig. Bestätigt wird dies jetzt auch von einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Sie belegt: In der obersten Verdienstliga der Selbstständigen spielen wesentlich weniger Frauen als Männer. Nur 17 Prozent der weiblichen Unternehmerinnen verdienen pro Monat 3 200 Euro und mehr. Zum Vergleich: Bei den männlichen Selbstständigen liegt der Anteil bei rund 30 Prozent und ist damit fast doppelt so hoch (siehe Grafik).

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Sinnhaftigkeit geht vor Gewinn

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Immer noch Potenzial

Kommentare zu " Firmenstart von „Wax in the City“: Was weiblichen Gründern entgegenschlägt"

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  • Warum wird so getan, als ob nur weiblichen "Gründern" Misstrauen entgegen schlägt?

    Muss man denn alles auf's Geschlecht schieben? Das scheint mir allzu bequem...

  • Das hat min Mann/Frau nicht unbedingt zu tun. Als ich vor 12 Jahren meine Software Firma, die heute höchst profitabel ist, gegründet habe, wollte mir auch keine Bank Geld geben. Alle waren eingeschüchtert nach dem Platzen der New Econommy Bubble. Aus diesem Grund führe ich heute noch meine Firma mit 100% Eigenkapital, wobei mir die Banken heute immer Kredite aufdrängen wollen, die ich nicht mehr nötig habe. Verkehrte Welt.

    Ergo, Geld von Banken bekommt der, der es nicht benötigt.

  • [ +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

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