Gründer-Ausbildung
Privat schlägt Staat

Die neue Generation junger Unternehmer kommt zum Großteil von Privathochschulen. Aber nicht, weil dort das Studium besser ist. Sondern weil die Unis etwas beherrschen, womit sie unternehmerisch denkende Studenten locken.
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DüsseldorfWenn Oliver Samwer während der jährlichen Gründerkonferenz an seiner Alma Mater auftritt, ist der Saal an der privaten WHU - Otto Beisheim School of Management nahe Koblenz bis auf den letzten Platz gefüllt. Samwer hat 1999 mit seinen Brüdern das Internet-Auktionshaus Alando und später den Klingeltonanbieter Jamba erst groß und dann damit Kasse gemacht. Heute finanzieren die Brüder andere Start-ups; für viele ist Oliver Samwer ein Vorbild.

Knapp eine Stunde redet er an dem Oktobertag 2011, sagt Sätze wie: „Wir sind geboren im Goldzeitalter - oder im Schlaraffenland für Unternehmer.“ Die Botschaft an die jungen Zuhörer ist klar: Gründet selbst! Damit hat er schon in der Vergangenheit überzeugt. Etliche WHU-Absolventen zählen zu den Jungunternehmern der deutschen Internetszene.

Die WHU ist eine der Hochschulen mit der lebendigsten Gründerszene. Und bestätigt damit eine Regel: Wenn sich überhaupt in Deutschland Hochschulen als Ausbildungsstätten für Jungunternehmer profilieren, dann sind sie meist privat geführt. Den kleinen privaten Hochschulen, die serienmäßig Start-up-Gründer hervorbringen, stehen allenfalls ein paar wenige staatliche Universitäten gegenüber. Entrepreneurship, also Unternehmertum, haben WHU, Handelshochschule Leipzig (HHL) oder die EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden zum Steckenpferd erkoren: Gründer-Lehrstühle, Vorlesungen, Businessplan-Seminare, Planspiele und - ganz wichtig - Gespräche mit Gründern gehören dazu. Denn sie haben erkannt: Neben inhaltlicher Kompetenz kommt es vor allem auf die Kontakte an.

Den Unternehmergeist wollen die Vorbilder wecken

Genaue Zahlen, wie viele Gründer welche Uni hervorgebracht hat, gibt es nicht. Die Onlineplattform Gründerszene.de hat aber eine einzigartige Datenbank mit 1.400 Gründern in Deutschland - vor allem aus dem Internetbereich - und zusammen mit dem Handelsblatt einmal genauer geschaut, wo die wichtigsten Köpfe der Szene studiert haben.

Die WHU in Vallendar liegt als Hochschule bei den gelisteten Gründern vorne, mehr als 90 von ihnen haben hier studiert. An der WHU machen sich laut Schätzungen rund 15 Prozent eines Jahrgangs selbstständig. In Deutschland gründen nicht einmal zwei Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund 50 beziehungsweise 35 Webgründer haben an der EBS und HHL studiert. Die staatlichen Universitäten in Berlin und München können absolut zwar mithalten, rund 110 Gründer machten einen Abschluss an einer der Unis in der Bundeshauptstadt, mehr als 70 in der bayerischen Metropole. Doch die Privaten haben gerade einmal ein paar Hundert bis 1.000 Studenten und nicht mehrere Zehntausend wie die großen staatlichen Unis.

Für die Hochschulen ist die Gründerlehre ein Spagat zwischen akademischem Anspruch und praktischer Anleitung. „Da zeigt sich das Problem staatlicher Professoren“, sagt Stephan Uhrenbacher, erfolgreicher Seriengründer, der mit dem Bewertungsportal Qype bekannt geworden ist und an der Universität Kaiserslautern sowie in Kanada studiert hat. „Sie sind zu weit weg von der Wirtschaft.“ Der Vorteil für die privaten: Kontakte zu den Unternehmen sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich gewünscht. Unternehmerisch zu denken und zu arbeiten ist an den privaten Wirtschaftshochschulen quasi Pflicht. Kein Wunder, dass dort auch Ende der 90er-Jahre die ersten deutschen Gründerlehrstühle entstanden sind.

Kommentare zu " Gründer-Ausbildung: Privat schlägt Staat"

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  • Noch wenig bekannt ist die Duale Hochschule Baden-Württemberg als Ausbildungsinstitution für Unternehmer. Hier gibt es seit 2008 am Campus Karlsruhe den dreijährigen berufsbegleitenden Studiengang "Unternehmertum" für bereits aktive Gründer und Nachfolger (www.studiengang-unterenhmertum.de).

    Auch diese Studierenden organisieren ihre Events selbst, wie z.B. die "Lange Nacht der Gründer" nächste Woche am Fr 29.06.12 (www.die-lange-nacht-der-gruender.de).

    mfg

    A. Pfannenschwarz

  • Das was die privaten Unis besser beherrschen ist die Selbstvermarktung. Das darf man nicht unterschätzen.
    Aber das bedeutet noch lange nicht, dass diese Konzepte wirklich gut sind.
    ich habe schon zu häufig unternehmerischen Erfolg erlebt, der auf Kosten Dritter zu Stande kam, als in diese Jubelorgie kritiklos einzustimmen.
    Das Grunddilemma ist immer wieder das Gleiche, gute Ideen brauchen mutige Verkäufer und es ist selten beides in einer Person zu vereinen. Besonders in einer überbürokratisierten Gesellschaft wie der Unseren.
    Ich will gar nicht in Abrede stellen, das die privaten Unis hier vielleicht wirklich die schwächen der staatlichen Unis kompensieren können. doch reicht dafür dieser oberflächliche Werbeartikel kaum aus.
    Und da wir in der jüngsten Vergangenheit eher Probleme mit zu vielen hochgejubelten Blendern hatten, ist Vorsicht geboten.
    Auf jeden Fall ist der Erfolg Grund genug, diesen näher zu betrachten, auch wenn die üblichen Platitüden erfolgreichen Verkaufens wie bei den Strukki-Vertrieben verkauft werden.
    Denn da Verkauf nun mal so funktioniert, wäre es verfrüht daran ein endurtei lfest zu machen.

    H.
    H.

  • @Brechreiz
    natürlich gehört zum dauerhaften Erfolg noch mehr dazu, als diese drei Basics.
    Aber ohne die geht i.d.R gar nichts, da kommt es zu keiner Umsetzung, an der Sie dann später, wegen anderer Schwächen, scheitern!
    Gerade heutzutage wird Ihnen das Geld nicht mehr so hinuntergeworfen wie zu Zeiten des Neuen Marktes!

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