Gründer-Gehaltsreport
Mit Mut und Kreativität in die Selbstständigkeit

Zu Wenige trauen sich, die Sicherheit der Festanstellung gegen die Freiheit in der eigenen Firma zu tauschen. Gründer brauchen neben guten Ideen vor allem Durchhaltevermögen. Dann kann sich die Selbstständigkeit lohnen.
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BonnMaja Halver und ihr Mann hatten einen der besten Gründe, die es gibt, um sich selbstständig zu machen: „Wir haben die Marktlücke erkannt“, sagt die Gründerin und Geschäftsführerin der Ajax Loktechnik. Mit ihren inzwischen 15 Kollegen – unter anderem ihr Mann und Mitgründer Jörn Bruhn – repariert und saniert die Ingenieurin Lokomotiven und andere Schienenfahrzeuge.

Wie kommt man auf solch eine Idee? Halver – gelernte Maschinenschlosserin – hatte schon lange ein Faible für die schweren Loks und einige Jahre Erfahrung mit den Stahlkolossen. Neun Jahre arbeitete sie bei der Deutschen Bahn, dann kündigte sie ihren unbefristeten Vertrag, um Geschäftsführerin beim Lokvermieter Northrail zu werden – mit einem befristeten Vertrag. „Da denkt man das erste Mal über Sicherheit nach“, sagt sie
heute. Doch mit dem Schritt hatte sie die Angst vor der Selbstständigkeit verloren, bis zur Unternehmerin war es dann nicht mehr weit. Schließlich kannte sie die Branche, die Chancen und Risiken nur zu gut.

Halver startete 2010 das Wagnis Selbstständigkeit– im Jahr der Gründer. Die Konjunktur hatte sich da schon rasant von der Finanzkrise erholt, die Wirtschaft wuchs, die Bedingungen waren so gut wie lange nicht mehr.
Auch Halver nutzte das. Schon im ersten Geschäftsjahr waren sie und ihr Mann aus den roten Zahlen, der Umsatz lag 2011 bei 1,5 Millionen Euro. Die Nachfrage ist groß – ganz so, wie es sich das Paar erhofft hatte.

Chance oder Risiko? Auch wenn Gründer wie Maja Halver eine recht sichere Marktlücke entdeckt haben – Mut und Risikobereitschaft gehören dazu. Nur dann ist das eigene Unternehmen eine echte Alternative zur Festanstellung. Doch das trauen sich in Deutschland nur wenige zu. Zwar ist die Zahl der Selbstständigen in den vergangenen 20 Jahren massiv gestiegen, doch es könnten noch viel mehr sein, die Quote der Gründer unter den 18- bis 24-Jährigen liegt bei nur 1,8 Prozent.

Damit schafft es Deutschland nur auf Platz 18 von 22 Ländern auf einer Liste der innovationsbasierten Volkswirtschaften im Global Entrepreneurship Monitor. Und das trotz eines der dichtesten Netze an Förderprogrammen.
2011 machten sich gerade einmal knapp 400.000 Menschen in Deutschland richtig selbstständig, rund 440.000 Teilzeit-Gründer kamen hinzu. Das zeigt der Gründungsmonitor der Bank KfW. Damit sank die Gründerquote,
nachdem sie 2010 noch um acht Prozent gestiegen war. Der Gründerboom zu Zeiten des Neuen Markts, als 1,5 Millionen Deutsche Unternehmer wurden, wird sich so schnell wohl nicht wiederholen. „2011 war die Arbeitsmarktsituation sehr gut und das Wirtschaftswachstum relativ hoch, die konjunkturelle Dynamik hat aber im Jahresverlauf nachgelassen.

Das erklärt den Rückgang der Gründerzahl“, sagt Margarita Tchouvakhina, die bei der KfW den Gründungsmonitor verantwortet, zu den ersten Zahlen der noch nicht komplett veröffentlichten Studie. Positiv aber: Die Zahl derer, die sich einer Gründung in Vollzeit widmeten, blieb nahezu konstant. Doch der Gesamtausblick für 2012 sieht düster aus. „Wir rechnen mit einem Negativrekord seit der Wiedervereinigung“, sagt Marc Evers, Gründungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

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