Spezialisierter Beteiligungsfonds konzentriert sich auf kleinere Unternehmen
Granville Baird sucht hohe Renditen im Mittelstand

Die Private- Equity-Branche ist immer dann schlagzeilenträchtig, wenn die angelsächsischen Beteiligungsfonds mal wieder ein Milliardengeschäft eingefädelt haben. Dabei gibt es eine Reihe von Finanzinvestoren, die sich auf den Mittelstand konzentrieren und dabei ähnlich hohe Renditen erzielen.

HB FRANKFURT/M. Rolf Steffens, Partner bei Granville Baird Capital Partners, spürt schon seit Jahren einen „schleichenden Prozess“ hin zu mehr Akzeptanz bei den oft in Familienbesitz stehenden Firmen. „Die Unternehmer begreifen langsam, dass Private Equity nichts Unanständiges ist“, hat Steffens beobachtet.

Mit der tendenziell teurer werdenden Kreditfinanzierung durch die Banken und angesichts des schlechten Klimas für Börsengänge gewinne die Beteiligungsbranche zunehmend an Bedeutung. Seit dem Gründungsjahr 1998 hat Granville in neun Portfoliounternehmen mit gut 8 000 Mitarbeitern investiert. Der aktuelle Fonds mit 200 Mill. Euro für Eigenkapitalbeteiligungen ist zu 60 Prozent investiert, der Folgefonds soll 300 Mill. bis 400 Mill. Euro schwer werden.

Einen Branchenfokus hat Granville nicht; generell kommen laut Steffens Firmen mit 30 Mill. bis 100 Mill. Euro Umsatz in Frage. In der Branche ist aber bekannt, dass sich Granville besonders gerne bei Kfz-Zulieferern, in der Metallverarbeitung und neuerdings auch bei Zeitarbeitsfirmen umschaut. Dabei strebt Granville immer die Mehrheitsposition bei den Firmen an. „Ich möchte nicht auf dem Rücksitz gegen die Wand fahren, ohne ins Steuer greifen zu können“, beschreibt Steffens seine Philosophie. Im Idealfall stellt sich Granville ein Unternehmen vor, dass vor einer Wachstumsphase steht, eventuell verbunden mit einer Nachfolgeproblematik beim Eigentümer. Die Haltedauer der Investments beträgt rund fünf Jahre, „danach rechnet sich die Sache für uns nicht mehr.“ Jährlich prüft das 14-köpfige Team von Granville rund 200 bis 250 Geschäftsmodelle. Am Ende werden drei bis vier Investitionen getätigt. Einer der lukrativsten Deals war der Verkauf eines 30-Prozent-Pakets an der Online-Gebrauchtwagenbörse Mobile.de – eine der wenigen Minderheitsbeteiligungen von Granville – an das US-Onlinehaus Ebay. Die Beteiligung hatte Ende 1999 rund 8,8 Mill. Euro gekostet und brachte im April 2004 das Vierfache ein.

Granville gehört zu einem knappen Dutzend größerer Beteiligungsfonds, die auf den Mittelstand spezialisiert sind. Zu den Konkurrenten zählen 3i, Bridgepoint, Hannover Finanz und die Deutsche Beteiligungs AG. Nach einer Studie von 3i ist es nicht einfach, mittelständische Unternehmer für das Thema zu begeistern. „Das größte Hindernis ist die Tatsache, dass die meisten Finanzinvestoren eine Mehrheitsübernahme anstreben, während die Firmeninhaber nur Minderheitsbeteiligungen zulassen wollen“, sagt Thomas Paul von 3i. Steffens kennt die Vorbehalte im Mittelstand. Letztlich habe sich eine pragmatische Herangehensweise bewährt. Wenn die Alteigentümer es wollten, könnten sie weiter in den Firmen bleiben; oft sei dies sogar erwünscht. Zusammen mit der Expertise eines Beirats von Granville, in dem frühere Konzernlenker – etwa von Porsche oder Preussag – sitzen, seien so oftmals Ideen gereift, die neue Expansionschancen eröffnet hätten.

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