Spezialisten gefragt
Gähnende Leere in den Kassen der Autohändler

Leere Kassen im Autohandel: Um den Aufschwung für Wachstum zu nutzen, brauchen die Händler Bares - denn ohne Geld können sie keine Fahrzeuge finanzieren. Aber was tun wenn die Banken kneifen?

WertherDie Zulassungsstatistik der deutschen Straßenverkehrsämter spricht eine deutliche Sprache. Die Autokonjunktur läuft wieder auf Hochtouren. Paradox daran: Der Autohandel ist trotz Aufschwung knapp bei Kasse. Grund dafür ist der höhere Liquitditätsbedarf für die Umsatzfinanzierung. Nach der Finanzmarktkrise sind die Kassen der Autohäuser leer, so dass sie kaum auf eigene Rücklagen zurückgreifen können. Die Banken helfen da wenig. Sie vergeben Kredite meist nur gegen Sicherheiten wie zum Beispiel Bürgschaften, da Autohäuser per se schlecht geratet werden. Sterben die Autohäuser deshalb aus? Nicht unbedingt, denn es gibt ja die "Bank anstatt". Das sind unabhängige Händlerfinanzierer für Autohäuser wie beispielsweise die Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und die Leasetrend AG.

Lange Wartelisten

Bei Gerhard Fischer, Vorstand bei der Leasetrend AG, steht das Telefon nicht mehr still. Denn die Autohändler brauchen Geld, um Vorführ-, Ausstellungs- und Gebrauchtfahrzeuge zu finanzieren. Bereits im ersten Quartal hat die Leasetrend AG 13,5 Milliarden Euro an Finanzierungen für Objekte ausgelegt, das sind rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Finanzierungsvolumen liegt pro Autohaus zwischen 200 000 und zwei Milliarden Euro - Tendenz steigend.

Die Wartelisten bei den Autohändlern sind wegen der starken Nachfrage lang. Laut einer aktuellen Händlerbefragung von Leasetrend unter 100 Autohändlern erwarten 97 im Jahr 2011 eine durchschnittliche Absatzzunahme von 4,7 Prozent. Das Beratungsunternehmen Polk rechnet mit 3,2 Millionen Neuzulassungen nach 2,92 Millionen im Jahr 2010. "Es sind eher die großen Autohandelsgruppen mit einem Umschlag von 5 000 bis 20 000 Fahrzeugen, die Fahrzeugfinanzierungen nachfragen", sagt Fischer.

Spezialisten wie er haben Hochkonjunktur, denn viele Geschäftsbanken haben sich nach der Finanzmarktkrise aus dem Autohandel zurückgezogen, weil dieser als Risikobranche gilt: Von 24.000 Händlern blieben 6.000 im Jahr 2009 auf der Strecke und mussten Insolvenz anmelden. Doch auch die diejenigen, die Umsatzsteigerungen zu verzeichnen hatten, sind gefährdet. Denn auch wenn die Händler die Umsätze steigern, wachsen deren Erträge bei Renditen von teilweise nur einem Prozent nicht automatisch mit. Die Folge ist, dass die Eigenkapitalquote bei steigenden Umsätzen abnimmt. Dabei ist die Eigenkapitalquote deutscher Autohäuser mit einem Durchschnitt von nur elf Prozent bereits grenzwertig. Eine Quote unter zehn bewerten Banken als "ungünstig".

Weltweite Überproduktion, Händlernetzbereinigungen, Margenkürzungen, zunehmender Konkurrenzdruck, ruinöser Preiswettbewerb, Kaufzurückhaltung und zu geringe Rentabilität brandmarken den Autohandel als Risikobranche. Laut einer Händlerstudie des Beratungsunternehmens H&P Consulting haben Banken 2009 bei einem Viertel der Händler die Kreditlinien im Voraus gekürzt. Jeder sechste Händler musste zusätzliche Sicherheiten bei den Banken nachweisen. Der Fahrzeugbestand reicht in der Regel nicht als Sicherheit aus. Denn Geschäftsbanken verfügen über keine Fahrzeug-Expertise. Sie haben daher kein Interesse daran, dass finanzierte Fahrzeuge eines Tages auf dem Hof stehen, weil die Autos nicht verkauft und die Kredite nicht mehr bedient werden können. Mit der Vermarktung von Autos haben Banken keine Erfahrung.

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