Spezielle Mittelstandsfinanzierung
Günstig wie nie

Mittelständler mit guten Ideen laufen bei Banken nicht gerade offene Türen ein, wenn es um Kredite für diese Projekte geht. Anders sieht es bei einer Reihe von vielfach kaum bekannten Finanzmitteln aus öffentlichen Förderprogrammen aus. Die Rahmenbedingungen in Forschung und Entwicklung sind so gut wie nie zuvor.
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Pünktlich um 22 Uhr erlöschen auf der Nordseeinsel Baltrum die Straßenlaternen. Nachtaktive Urlauber tapsen dann im Dunkeln zur ihrer Pension oder Ferienwohnung. Eine Stunde später knipst die Stadt Wien jede zweite Leuchtstoffröhre in ihren Lampen aus. Opernliebhaber müssen im Dämmerlicht heimwärts finden. In Lemgo haben Passanten die nächtliche Helligkeit in der Hand - allerdings nur auf einer anderthalb Kilometer langen Teststrecke. Dort können registrierte Bürger nach 22 Uhr die Beleuchtung mit einem Kode per Handy aktivieren, alle Fremden müssen ohne Licht über die Versuchspiste kommen.

Viele Kommunen versuchen, die Kosten für ihre Straßenbeleuchtung zu senken. Doch eine richtig bequeme Lösung für ihre Bürger hat bisher kaum eine gefunden. Das Problem: Anders als Glühbirnen im Wohnzimmer lassen sich Straßenlaternen nicht einfach dimmen. Städte und Gemeinden können die öffentlichen Lichtquellen jeweils nur komplett an- oder abschalten.

Das könnte sich ändern, wenn sich eine Idee der KD Elektroniksysteme durchsetzt. Das Unternehmen aus Zerbst in Sachsen-Anhalt hat gemeinsam mit einem Forschungsinstitut einen elektronischen Regler entwickelt, der die Leuchtkraft in drei Stufen verringert. Bis zu 67 Prozent der Energie will KD-Chef Ralf Kleinodt damit einsparen. Bei den herkömmlichen, von den Kommunen selbst gestrickten Methoden seien es maximal 30 Prozent.

Dass sein Unternehmen das Produkt im Juli vergangenen Jahres auf den Markt bringen konnte, verdankt Kleinodt öffentlichen Fördermitteln. Das Bundeswirtschaftsministerium beteiligte sich an den Entwicklungskosten des Dimmers, der inzwischen in 28 deutschen Kommunen erprobt wird. „Keine Bank hätte uns Geld für die Idee gegeben", sagt Kleinodt, „ohne öffentliche Anschubfinanzierung hätten wir sie nie realisieren können."

Auf kleine und mittlere Unternehmen warten eine ganze Reihe öffentlicher Förderprogramme, sie müssen nur entdeckt werden. „Die Rahmenbedingungen sind für Mittelständler günstig wie nie", sagt Michael Maurer, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke" e.V. (AiF). Allein die AiF, die für das Bundeswirtschaftsministerium auch die Idee des Reglers für Straßenlaternen mitfinanzierte, hat ihre Gelder für Mittelständler um fast 60 Millionen auf 310 Millionen Euro aufgestockt. Bis 2009 will die Bundesregierung die gesamten Gelder für Forschung und Entwicklung von zurzeit 55 Milliarden Euro um sechs Milliarden Euro erhöhen. Mittelfristig sollen drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für diese Zwecke ausgegeben werden - das wären rund 67 Milliarden Euro.

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