Spielebranche
Ravensburger geht höhere Risiken ein

Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür - normalerweise ist das die schönste Zeit des Jahres für Ravensburger. In den Wochen vor Heiligabend macht Deutschlands führender Spieleverlag einen großen Teil seines Umsatzes. In diesem Jahr will jedoch keine rechte Vorfreude in der Firmenzentrale in Oberschwaben aufkommen: Die Insolvenzen großer Händler machen Ravensburger zu schaffen.

RAVENSBURG. Dazu kommt, dass die Kreditversicherer sich stark zurückhalten. Das Familienunternehmen fürchtet deshalb, auf offenen Rechnungen sitzenzubleiben. "Der einzige Vertriebskanal, der wächst, ist das Internet", sagte Ravensburger-Chef Karsten Schmidt dem Handelsblatt. Immer mehr Menschen kaufen die Spiele und Jugendbücher der Traditionsfirma über Online-Anbieter wie Amazon oder die Otto-Tochter My Toys.

Der klassische Handel hingegen macht dem Manager Sorgen. Mit Woolworth hat Ravensburger in England bereits seinen wichtigsten Abnehmer verloren. Die alteingesessene Kette schloss nach der Pleite 800 Läden. Seitdem können die Briten in ihren Fußgängerzonen kaum noch Spielzeug kaufen.

Auch in Deutschland ist die Lage angespannt. Vor allem die Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor belastet den schwäbischen Spieleverlag. Dessen Kaufhaustochter Karstadt ist ein wichtiger Vertriebskanal. Muss auch Karstadt die Türen schließen, droht nach Ansicht von Schmidt der dauerhafte Verlust wertvoller Regalflächen für die Spielwarenhersteller.

Auch zahlreiche andere große Spielwarenhändler kämpfen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Dennoch will sie der Ravensburger-Chef weiter mit Ware versorgen. Die Ketten nicht zu beliefern würde diese zusätzlich unter Druck setzen. Allerdings steigt dadurch auch das Risiko für die 126 Jahre alte Firma: Die Kreditversicherer weigern sich nach Angaben von Schmidt immer häufiger, Forderungen an die Wackelkandidaten in ihre Bücher zu nehmen. Sollten die Händler nicht mehr zahlen, bliebe Ravensburger auf den Rechnungen sitzen. Das betrifft laut Schmidt auch bekannte Namen des Spielwarenhandels.

Der Markt für traditionelle Spielwaren stagniert in Europa seit Jahren, zulegen können nur elektronische Spiele. Die weltweite Rezession verstärkt die Schwierigkeiten der Branche noch. Bekannte Hersteller wie der Göppinger Modelleisenbahnfabrikant Märklin haben bereits Insolvenz angemeldet, andere schreiben tiefrote Zahlen wie der börsennotierte Puppenhersteller Zapf Creation.

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