Sponsoring
Vielleicht ein Spleen, aber dennoch gut investiert

Volkmar Wywiol hört auf keinen Werbemann, sondern auf sich selbst. Deshalb gründet der Inhaber und Geschäftsführer der Mühlenchemie aus Ahrensburg bei Hamburg mit seinem Sponsoring-Budget die Sackothek, sein Mehlsackmuseum. Das Besipiel Wywiol zeigt: Wenn Unternehmenslenker ihre persönlichen Vorlieben ausleben, kann sich das durchaus auszahlen.

HAMBURG. "Der beste Werbemann der Welt wäre nicht auf diese Idee gekommen", sagt Volkmar Wywiol, und niemand würde ihm da widersprechen. Denn der beste Werbemann der Welt hätte ihm geraten, mit seinem Sponsoring-Budget eine Initiative für gesünderes Essen in Norddeutschland oder Schulspeisungen in Afrika zu finanzieren. Irgendetwas mit Ernährung jedenfalls. Schließlich ist Wywiol Inhaber und Geschäftsführer der Mühlenchemie aus Ahrensburg bei Hamburg, die Zusatzstoffe für Mehl herstellt und die Mühlenindustrie beim Verarbeiten und Optimieren des komplexen Rohstoffs berät.

Volkmar Wywiol hörte aber auf keinen Werbemann, sondern auf sich selbst. Deshalb gründete er die Sackothek, sein Mehlsackmuseum. Die Idee dazu verdankt er einem jener Zufälle, aus denen - so Wywiol - "das ganze Leben besteht". Vor zehn Jahren lugte am Strand von Dubai die Ecke eines Sacks aus dem Sand. Wywiol, der da Urlaub machte, grub ihn "unter Protest meiner Frau" aus und erkannte am Aufdruck, dass darin einst das Mehl eines Kunden war. Und er stellte fest, wie schön dieses profane Produkt sein kann, wenn der Betrachter nur einen Blick dafür hat. Die Idee war in der Welt, es entstand eine Mehlsacksammlung im mecklenburgischen Wittenburg und die umfasst heute rund 1 600 Exponate.

Volkmar Wywiol sagt, man habe ihn deshalb am Anfang für verrückt erklärt - was für einen gestandenen Mittelständler eine Art von Kompliment ist. Und irgendwie normal. Sponsoringideen von Familienunternehmen entstammen oft einem Spleen des Chefs, gerade dadurch entwickeln sie ihren Charme. Nichts ist authentischer als ein Spleen, und was authentisch ist, hat Erfolg.

Das gilt sogar für Mehlsäcke. Ihre Aufdrucke sind vielfältig und künstlerisch, vor allem aber zeugen sie vom hohen Symbolwert des Produkts. Mehl ist Brot, und Brot ist Leben, Mehl entsteht aus Ähren, die wiederum sind ein Geschenk der Sonne und des Mutterbodens. Die Säcke zeigen Blumen, die Weltkugel oder das Firmament. Ringkämpfer und Männer, die Ketten sprengen, schließlich gibt Mehl Kraft. Und natürlich immer wieder eine schöne Frau - schön wie Demeter, die altgriechische Göttin des Getreides, der Fruchtbarkeit und der Jahreszeiten.

Als genialer Schachzug erwies es sich, nicht die eigenen Produkte - so wie Volkswagen es in seiner Autostadt tut -, sondern die der Kunden auszustellen. "Wenn die hier sind und sehen, dass ihr Sack in der Sackothek hängt, dann haben die Tränen in den Augen", erzählt Volkmar Wywiol. Und die Müller kommen oft genug vorbei, weil Mühlenchemie in Ahrensburg ein Technologiezentrum betreibt, in dem Wissenschaftler und Anwendungstechniker auch für Kunden Versuche und Erprobungen durchführen. Wieder zu Hause - Mühlenchemie verkauft in etwa 100 Länder - schickt mancher Kunde Säcke mit neuen oder besonders schönen Motiven nach Norddeutschland. Die Sammlung liefert damit ein willkommenes Gesprächsthema mit vielen Anknüpfungspunkten, ohne dass es immer und sofort um Liefermengen und Konditionen geht.

Eine Brücke zu schlagen zwischen Kunst und Kommerz, das gelingt auch Bernd Pederzani, obwohl sein Kerngeschäft noch weniger mit Kunst zu tun hat als das von Volkmar Wywiol. Pederzani handelt mit LKW-Teilen, und das sehr erfolgreich. Europart ist europaweit die Nummer eins in diesem Geschäft. Leider hat die Firma ein kleines Problem: ihren Standort am südöstlichen Rand des Ruhrgebiets. Das "Tor zum Sauerland", wie sich Hagen selbst gerne nennt, ist "Diaspora, hier kommt so schnell keiner hin", gesteht Bernd Pederzani, dem das Unternehmen zusammen mit seinen vier Geschwistern gehört.

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