Sportwagenmanufaktur Wiesmann
„Für BMW sind wir ein Pilotkunde“

Friedhelm Wiesmann liebt schnelle Sportwagen - und verdient sein Geld mit ihnen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Chef von Deutschlands kleinster aber feinster Sportwagenmanufaktur Wiesmann über die Wachstumschancen seines Unternehmens und über die Zusammenarbeit mit BMW.
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Handelsblatt: Die niederländische Sportwagen-Schmiede Spyker hat die schwedische Automarke Saab gekauft. War das kein Thema für Sie, Herr Wiesmann?

Friedhelm Wiesmann: Nein. Erstens ist Spyker an der Börse notiert und wir sind ein reines Familienunternehmen. Den Kaufpreis hätten wir gar nicht stemmen können. Zweitens wollen wir in unserer Nische bleiben. Wiesmann baut exklusive, hochwertige Zweisitzer mit klassischem Design.



Wo sehen Sie denn dann ihre Wachstumschancen?



Im Moment bauen wir unsere europäischen Märkte wie Spanien und Portugal aus. Den US-Markt wollen wir in drei bis fünf Jahren ins Visier nehmen. Dort sind die Eintrittsbarrieren wie das Wechselkursrisiko hoch.



Eine lokale Produktion könnte dies verringern...



Stimmt. Bisher fertigen wir ausschließlich am Hauptsitz in Dülmen. Wenn wir in die USA gehen, werden wir die Endmontage vor Ort vornehmen müssen, um in Dollar abrechnen zu können.



BMW, Daimler und Audi haben das Glück in Asien gefunden. Wiesmann auch?



Japan und China sind für uns reizvolle Märkte. Allerdings kaufen Geschäftsleute nur die großen Marken. Daher müssen wir dort erst unsere Bekanntheit erhöhen, bevor wir einsteigen können.



Dieses Jahr werden Sie etwa 200 Autos verkaufen. Was geht da noch?



In Dülmen könnten wir 400 bis 450 Autos fertigen. Das wollen wir in drei Jahren schaffen. Das Absatzpotenzial unserer Fahrzeuge liegt laut Marktforschungsinstituten weltweit bei 1 200 bis 1 500 Fahrzeuge per anno.



In allen Kontinenten?



Ja, wir müssen uns genau überlegen, wie viele Autos wir in welchem Markt verkaufen. Bei einem Luxusprodukt gehört eine gewisse Verknappung dazu, um den Preis stabil zu halten. In Deutschland liegt die Grenze bei 150 verkauften Wiesmännern pro Jahr.



Was kostet der Fahrspaß mit mindestens 343 PS, und wo liegt Ihr aktueller Umsatz?



Unser Einsteigermodell, den Roadster MF3, gibt es ab 102 000 Euro. Bei den größeren Brüdern MF4 und MF5 sind, je nach Ausstattung, Preise bis 225 000 Euro möglich. 2010 werden wir 30 bis 32 Mio. Euro Umsatz erzielen.



Lag das Umsatzziel nicht mal bei 40 Mio. Euro?



Ja, aber die Krise hat uns stärker erwischt als gedacht. Andere Luxusgüter wie Uhren kann man leichter verstecken. Ein Wiesmann fällt aber immer auf. Wie soll ein Unternehmer, der Mitarbeiter entlassen muss, rechtfertigen, dass er sich ein solches Fahrzeug leistet? 2009 war deshalb extrem schwierig, 2010 erholen wir uns langsam.

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  • Manche Menschen können sich seltene teure Oldtimer kaufen - oder ein modernes Auto in einem exklusiven Oldtimer-look. Halt einen Wiesmann.
    Oder die Kunden, die kein modernes Mainstreamdesign mögen. Ein Wiesmann bleibt immer schön sehr klassisch cool.
    Ohne es bewußt zu wollen, trägt auch Wiesmann mit dazu bei, dass sich manche Retrolinien sehr lange im bewußtsein der mobilen Kunden erhalten bleiben und überlebt sogar so manche neumodische "Modewelle".

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