Staatliche Exportkreditversicherung
Hermes differenziert Risikoprämien

Die Prämien staatlicher Hermes-Bürgschaften werden künftig risikogerechter gestaltet. Ab 1. Mai gelten neue Regeln, nach denen die Entgelte berechnet werden. Das haben die Träger der staatlichen Exportkreditversicherung beschlossen.

HB BERLIN. Die Euler Hermes Kreditversicherung und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price-Waterhouse-Coopers wickeln für die Bundesregierung Hermesdeckungen ab. Die staatliche Exportkreditversicherung schützt Unternehmen vor dem Risiko des Forderungsausfalls bei Auslandsgeschäften. Die Regierung geht mit der Reform auf eine Forderung der Wirtschaft ein, die seit langem verlangt hatten, jene Exporteure zu begünstigen, die ihre privaten Geschäftspartner im Ausland sorgfältig aussuchten und Hermes keine Schäden verursachten. Künftig spielen die Bonität der Käufer und das konkrete Risiko eines Geschäfts eine zentrale Rolle.

"Die Neuregelung wird die Wettbewerbsposition vieler deutscher Exporteure verbessern", sagte Jens Nagel, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), dem Handelsblatt. Auch Heiko Willems, Außenwirtschaftsexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), wertete die Reform grundsätzlich als Schritt in die richtige Richtung, der auch dem internationalen Trend folge. Deutschland berücksichtigt mit der Reform als eines der letzten OECD-Länder das so genannte Corporate Risk bei der Prämiengestaltung. Damit kassiert Hermes für gute Firmenrisiken geringere Entgelte, für schlechtere Risiken höhere Entgelte. Bisher wurde lediglich das politische Länderrisiko berücksichtigt. Das Länderrisiko wird auch künftig beachtet. Darüber hinaus sei eine Erhöhung der Entgelteinnahmen insgesamt "ausdrücklich nicht beabsichtigt", wie Hermes mitteilt.

Wirtschaftsverbände hatten wiederholt die Höhe der staatlichen Bürgschaften kritisiert. 2005 hatte die Regierung Garantien von 19,8 Mrd. Euro übernommen. Mit 4,6 Mrd. Euro wurde im vergangenen Jahr der bisher höchste Überschuss zugunsten des Bundeshaushalts erzielt. An der jetzigen Reform bemängeln die Verbände eine größere Kalkulationsunsicherheit für die Unternehmen, "da die Vorhersehbarkeit der Prämie abnimmt", so Nagel. "Das System ist nicht mehr so transparent wie vorher, das ist ein Nachteil", sagte auch Willems. Die exakte Höhe der Prämie erfahre man ab Mai erst, wenn Hermes der Absicherung zustimme. Bislang habe man sich die Prämie selbst ausrechnen können.

Die Wirtschaftsverbände erkennen jedoch an, dass Hermes sich bemüht habe, das System einfach zu halten. Die Anzahl der möglichen Kategorien sei auf fünf begrenzt worden, so Nagel. Der überwiegende Teil des Geschäftes entfalle auf die mittleren drei Kategorien. "Ob dies hilft und inwiefern die Antragstellung durch die neue Reform verkompliziert wird, muss der Praxistest zeigen." Wichtig sei aber, den Exporteuren eine Hilfestellung, etwa in Form von Einstufungsschemata, an die Hand zu geben, um sie auf die neue Systematik vorzubereiten. "Wir erhoffen uns zudem eine Art Testphase, um die Auswirkungen zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern."

Die Bearbeitungszeit für die Unternehmen soll sich Hermes zufolge nicht verändern. "Hoffen wir", so BDI-Experte Willems, "dass das stimmt."

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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