Staatsfonds
Araber sind mächtig in Kauflaune

Zusammen mit Abu Dhabi treibt das Öl- und Gasemirat Katar die Diversifizierung der rohstoffreichen arabischen Länder voran. Immer häufiger suchen die Staatsfonds Firmen-Beteiligungen wie bei Porsche – aber auch die Solartechnik und der Mittelstand geraten ins Visier der finanzstarken arabischen Fonds.

DUBAI. Selten glühten die Telefondrähte zwischen Stuttgart-Zuffenhausen und Doha so heiß wie in diesen Tagen. Der Staatsfonds „Qatar Investment Authority“ aus dem Öl- und Gas-Emirat Katar hat nun sein Angebot über den geplanten Deal mit Porsche auf den Tisch gelegt. „Eine Beteiligung an dem Sportwagen-Hersteller wäre der Einstieg in eine weltweite Premium-Firma, analog dem Daimler-Engagement des Fonds Aabar aus Abu Dhabi“, sagt Udo Schäberle von der BHF-Bank in Abu Dhabi. Zunehmend sind die arabischen Staatsfonds jedoch nicht nur an einer langfristig guten Rendite, sondern auch an Unternehmens-Ansiedlungen in der Region interessiert. So ließ die Frau des Emirs von Katar, Scheicha Musa, im Mai bei politischen Gesprächen in Berlin durchblicken, dass sie die Errichtung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums von Porsche am Persischen Golf begrüßen würde.

Katar betreibt mit Macht den Aufbau einer petrochemischen und metallverarbeitenden Industrie. Es ist zusammen mit dem Emirat Abu Dhabi der wichtigste Schrittmacher für die Diversifizierung der rohstoffreichen arabischen Länder. Ganz oben auf der Wunschliste der Kataris stehen derzeit Solar-Unternehmen aus dem Bereich der Photovoltaik: Der erzeugte Strom soll zum Beispiel für die Meerwasserentsalzung verwendet werden. Die Solar-Technik rückt zunehmend in den Vordergrund, da die Region die günstige Energiequelle Rohstoff besser nutzen will. Ferner suchen die katarischen Investoren Chemie-Firmen als Abrundung für ihre petrochemischen Anlagen. Auch metallverarbeitende Betriebe rund um die Aluminiumhütten am Golf sind begehrt. Solar, Chemie und Metall haben bei allen arabischen Staatsfonds hohe Priorität. Immer häufiger hört man in diesem Zusammenhang das Interesse an deutschen Mittelständlern.

Die Staatsfonds suchen lukrativen Firmenbeteiligungen, halten sich aber bei Aktien-Investitionen zurück. „Bei Aktien dominiert noch die Angst vor Rückschlägen“, sagt der Spitzenmanager einer Bank in Abu Dhabi. Das ergibt sich aus einer Umfrage bei staatlichen Investmentgesellschaften und Finanz-Analysten in der Region. Da das Thema jedoch sehr sensibel ist und die Anlage-Strategien der Fonds zu den bestgehüteten Geheimnissen gehören, halten sich Informanten im Hintergrund.

Immer mehr rückt auch der Immobilien-Sektor in Europa auf den Radarschirm der arabischen Fonds. „Die Investoren beobachten den Markt sehr genau und erwarten eine Bodenbildung bis spätestens Ende des Jahres“, sagt der Chef einer Bank in Dubai. In Deutschland gelten München, Düsseldorf und Berlin als die zugkräftigsten Städte. Arabische Anleger setzen vor allem auf Bürogebäude, Shopping-Malls und Hotels.

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