Mittelstand

Die Unternehmerdynastie Krupp

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Friedrich Alfred Krupp: schwierige Nachfolge des Vaters. Quelle: dpa
Friedrich Alfred Krupp: schwierige Nachfolge des Vaters. Quelle: dpa

DER ERSTE FREMDE

Auch Alfreds Sohn, Friedrich Alfred Krupp, wird sich später der betrieblichen Sozialpolitik verpflichtet fühlen und sie vor allem im Bereich der Bildung erweitern. Vor allem steht der Sohn aber in Alfreds langem Schatten. Friedrich Alfred verzweifelt an dem autoritären Vater, der nicht loslassen mag, der Vater wiederum traut seinem Junior nicht zu, das Erbe anzutreten. Zu sensibel, zu kränklich, zu starke wissenschaftliche Neigungen, urteilt Alfred.

Zumindest in Teilen soll der Vater recht behalten. Friedrich Alfred stirbt bereits 1902 48-Jährig. Er hinterlässt einen Weltkonzern: 46 000 Mitarbeiter, knapp 126 Millionen Mark Jahresumsatz. Aber es ist ein Weltkonzern mit unsicherer Zukunft.

Denn Friedrich Alfred hat eine Nachfolgeregelung hinterlassen, die keine ist. Seine älteste Tochter, Bertha, setzt er als Erbin ein, doch sie kann das Unternehmen nicht führen - eine Frau an der Spitz von Europas größtem Konzern? Für die Zeitgenossen eine unglaubliche Vorstellung.

Ein Mann für die beste Partie Europas muss her. Auf einer Rom-Reise lernt Bertha 1906 den 16 Jahre älteren Diplomaten Gustav von Bohlen und Halbach (v.B.u.H.) kennen. Sie verlieben sich und empfangen zu ihrer Hochzeit den deutschen Kaiser, der ein besonderes Geschenk mitbringt: eine Urkunde, die Gustav gestattet, seinem Adelstitel den Namen Krupp voranzustellen.

"Taffy", wie sie den neuen Krupp-Gemahl nennen, kommt trotz seiner adeligen Herkunft aus kleinen Verhältnissen und verfügt über keine beruflichen Erfahrungen in der Stahlindustrie. In Essen verspotten sie ihn als "Prinzgemahl". Kühle Unnahbarkeit legt sich der neue Chef bei seinem Eintritt in die Firma als Waffe zu.

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Wunderliche Anekdoten gibt es über ihn: Vom 14 Grad kalten Arbeitszimmer des Patriarchen, das, so temperiert, alle Besucher mit zu viel Sitzfleisch vertreiben soll. Und von den Geschäftsessen auf Villa Hügel, wo jeder Gast, der hinter dem Esstempo des Hausherrn zurückbleibt, den halb vollen Teller einfach weggerissen bekommt.

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