Stahlhersteller
Die Unternehmerdynastie Krupp

Geniale Geniestreiche, wegweisende Erfindungen, aber auch viele finstere Momente - das bleibt von der Krupp-Dynastie. Die Familie selbst hat mit dem Konzern, den ihre Ahnen schufen, schon seit Jahrzehnten nichts mehr zu tun. Den Weg in die Zukunft könnte das Unternehmen aber genau deshalb schaffen.
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Der letzte Krupp erinnert sich in diesem Moment, da der Ruf seines Konzerns auf dem Spiel steht, an die Werte, die seine Vorgänger immer vertraten. Es ist der April 2009 und er muss mit ansehen, wie sich Arbeitnehmer und Konzernführung um die Tarifpolitik streiten. Und dass, obwohl der Konsens zwischen Belegschaft und Managern in der Ruhrindustriellen-Dynastie zur Geschichte gehört wie der Stahl. Da greift der letzte Krupp, mittlerweile 96 Jahre alt, zum Telefon und lädt die Arbeitnehmerführung und die Konzernspitze zum Friedensgipfel zu sich in die Villa Hügel in Essen, dem Ursprungsort der Krupps.

Dort, so schildert es der letzte Krupp später seinem Biografen, versammelt er die Herren um einen Tisch. Er bittet die Gewerkschafter, ihre Forderungen vorzutragen. Er schließt die Augen, während er lauscht. Als die Herren von der IG Metall geendet haben, sagt er: "So machen wir das!" Die Konzernführung muss nicken.

Es geht ihm dabei nicht um ein Machtwort. Es geht um Moderation. So haben sie es immer gehalten im Hause Krupp. Und so setzt es auch der, wenn man so will, Letzte aus ihrer Ahnenreihe fort.

Der letzte Krupp heißt Berthold Beitz. Er selbst hasst es eigentlich, so genannt zu werden. "Ich bin der letzte Beitz", pflegt der heute 97-Jährige stets zu granteln. Und doch: Die Familie Krupp hat ihn einst eingesetzt, weil der letzte ihrer Söhne, der das Unternehmen hätte führen können, das nicht sollte - und vielleicht auch nicht wollte. So wurde Beitz der letzte große Patriarch in der 200-jährigen Geschichte des Unternehmens.

Die Geschichte des Krupp-Konzerns vor Beitz sind Jahrzehnte voller technischer Geniestreiche, aber auch finsterster Verstrickungen mit den Mächtigen. Die Zeit mit Beitz sind die Nachkriegsjahrzehnte des Wiederaufstiegs und der moralischen Wiedergutmachung. Unter Beitz hat sich das Unternehmen auf eine globalisierte Welt eingestellt, auch wenn es den Konzern nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich nicht mehr hätte geben sollen.

1945 sitzt der britische Oberst E.L. Douglas Fowles am Tagungstisch der Krupp-Zentrale und sagt: "Da draußen, meine Herren, wird nie wieder ein Schornstein rauchen." Mehr als 270 000 Tonnen Einrichtungen und Maschinen transportieren die Alliierten aus Essen ab. 1953 wird Beitz Generalbevollmächtigter des Konzerns, erhält die Rechte eines Eigentümers. Im August 1958 berichtet das Handelsblatt: "Der Krupp-Konzern ist wieder das umsatzstärkste deutsche Unternehmen." Aber der Reihe nach.

Seit 1587 lebt die Familie Krupp in Essen, viele Familienmitglieder arbeiten als Kaufleute und bringen es zu Wohlstand. Als Friedrich Krupp im Jahr 1808 die 19-jährige Theresia Wilhelmi heiratet, neiden ihr viele Frauen die gute Partie: Sie hat sich den reichsten Junggesellen des Ruhrgebiets geangelt.

Doch Theresia stehen harte Jahre bevor. Ihr Friedrich ist von einer Idee besessen: das Geheimnis von Gussstahl zu ergründen. 1811 gründet er mit diesem Ziel eine Fabrik. Er will so harten Stahl produzieren, wie es zu dieser Zeit nur die Engländer beherrschen.

Das Geheimnis des Gussstahls liegt in der Dosierung von Eisen- und Kohlenstoffanteilen, im Hitzegrad, in der Dauer des Kochens, in der Art des Erkaltens. Viele chemische Prozesse sind zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch nicht erforscht. So experimentiert Friedrich, braucht ganze fünf Jahre, bis er Stahl für Münzstempel, Walzen oder Sattlermesser herstellen kann. Aber die Geschäfte gehen schlecht. Die Qualität des produzierten Stahls schwankt.

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