Stammzellen
Cooler Koffer

Wer Leben retten will, spendet Stammzellen. Wer als Kurier die lebensrettenden Zellen ans Ziel bringt, braucht starke Nerven und robustes Gepäck. Ein Fall für Dieter Morszeck und seine kölsche Kofferfabrik Rimowa. So bleiben die Stammzellen kühl.

HB KÖLN. Wer diesen glänzenden Griff umfasst, trägt Verantwortung für ein Menschenleben. Acht Kilo ist das Köfferchen schwer – und kaum größer als das Beautycase einer Ibiza-Urlauberin.

Das stoßfeste Teil aus Aluminium hat es in sich: keine teure Fotoausrüstung, kein Schminkzeug – sondern ein transparenter 300-Gramm-Beutel mit einer blutigen Flüssigkeit: In dem Cocktail schwimmen etwa 300 Millionen lebende, menschliche Stammzellen. Wenn sie hier drin schwappen bei möglichst konstant vier Grad Celsius, dann haben sie es eilig: Die Zellen sind auf dem Weg vom Spender zum Empfänger. Nicht mehr als 36 Stunden darf das dauern, und manchmal liegt ein Ozean im Weg.

Die Box ist ein wichtiger Baustein einer medizinischen Just-in-time-Kette: Irgendwo auf der Welt liegt ein todkranker Leukämie-Patient und hofft auf eine passende Knochenmark- oder Stammzell-Spende. Während die Alu-Box an der Hand eines nervenstarken Kuriers in ein Flugzeug gehievt wird, treffen die Mediziner am Zielort schon alle nötigen Vorbereitungen. Sie löschen mit einer hochaggressiven Chemotherapie das eigene blutbildende System des Patienten komplett aus. Treffen die Stammzellen zu spät oder kaputt ein, stirbt ein Mensch. Werden sie aber wohlbehalten übertragen, helfen sie beim Aufbau eines neuen Immunsystems.

2 500 solcher Stammzell-Transporte wickelt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) im Jahr ab. Nur wenn zehn getestete Gewebemerkmale übereinstimmen, wird die Spende gewagt. „Die Chance liegt bei höchstens 1 zu 20 000 – das ist wie ein Haupttreffer im Lotto“, sagt DKMS-Sprecher Malte Wittwer. Mit dieser Box an Bord wird jeder Urlaubsflug zum „medical flight“ mit Vorrang. Der Kurier rennt durch Flughafengates und passiert Kontrollen ohne jedes Röntgen. „Wir wünschten uns ein sicheres Behältnis, das mehr ist als ein Picknickkühler. Etwas mit Wertigkeit und Ausstrahlung“, sagt Wittwer.

Der Kölner Hobbyflieger Dieter Morszeck zögerte keinen Moment, als ihn die DKMS darum bat, den Spezialkoffer für die empfindlichen Zellen zu designen. Dass man gerade auf ihn zuging, hat Gründe. Ein wichtiger: Morszeck besitzt eine urkölsche Kofferfabrik. „Die letzte in ganz Deutschland“, wie er stolz betont. Rimowa ist für viele wegen des robusten Alugepäcks ein Synonym für Langlebigkeit geworden. „Die Dinger haben nur ein Problem“, witzelt der 54-Jährige: „Sie gehen nicht kaputt.“ Trotzdem findet er jedes Jahr noch 370 000 Menschen, die ihm einen seiner bis zu 1 000 Euro teuren Reisebegleiter abkaufen.

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