Standort Mexiko: Trotz schleppenden Konjunkturaufschwungs attraktiv

Standort Mexiko
Trotz schleppenden Konjunkturaufschwungs attraktiv

Steigende Kaufkraft und hohe Infrastrukturinvestitionen versprechen nach der Krise nun wieder verbesserte Geschäftschancen - auch wenn der Aufschwung verhaltener verläuft als erwünscht. Auch als Kfz-Standort ist Mexiko zunehmend gefragt.
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MEXIKO-STADT. Mit dem Abklingen der Weltwirtschaftskrise treten die mittelfristigen Geschäftschancen in Mexiko wieder in den Vordergrund. Bei einer wachsenden und zunehmend kaufkräftigen Bevölkerung von derzeit 108 Mio. Einwohnern werden sich auch für deutsche Unternehmen neue Märkte eröffnen. Besonders gute Lieferchancen entstehen durch öffentliche Infrastrukturprojekte und ausländische Direktinvestitionen, die in den Aufbau von Exportfabriken für den US-Markt fließen.

Der Aufschwung verläuft in Mexiko verhaltener als erhofft. Die Exportnachfrage aus den USA hatte der Konjunkturerholung zunächst einen starken Impuls versetzt, doch begann das US-Wachstum Mitte 2010 zu stocken. Auf dem mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für mexikanische Ausfuhren belasten die anhaltende Arbeitslosigkeit und der schwache Immobilienmarkt weiterhin die Binnennachfrage. In Mexiko schwächelt der Inlandskonsum ebenfalls. Die Beschäftigtenzahlen haben zwar das Vorkrisenniveau erreicht, allerdings entstanden im Aufschwung vor allem Jobs im Niedriglohnsektor, sodass die erhofften Konsumimpulse ausblieben. Trotz allem dürfte das Wirtschaftswachstum in Mexiko nach dem starken Einbruch 2009 um 6,5% immerhin 2010 rund 5% erreichen. Etwas schwächer dürfte das Wachstum 2011 mit etwa 3,5 bis 4% ausfallen.

Obwohl Mexiko aufgrund der wenig dynamischen Konjunkturentwicklung nicht zur Liga der aufstrebenden BRIC-Staaten zählt, bieten sich den deutschen Unternehmen vor Ort ein bedeutender Konsummarkt sowie interessante Lieferchancen. Letztere hängen unter anderem mit öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen und einem expandierenden und auf den US-Markt orientierten Exportsektor zusammen.

Der Binnenkonsum erholt sich zögerlich. Dennoch weist die Bevölkerung von 108 Mio. je nach Produkt etwa 25 bis 35 Mio. zahlungskräftige Kunden auf. Bis 2020 dürfte die Bevölkerung nach Prognosen des Consejo Nacional de Población (Conapo) auf 116 Mio. und bis 2030 auf 121 Mio. anwachsen. Konsumgüter sowie Maschinen und Ausrüstungen zu deren Produktion werden in den kommenden Jahren starke Zuwächse verzeichnen. Der Nahrungsmittelkonsum soll bis 2012 um 25% steigen. Starkes Wachstum wird auch im Arzneimittelmarkt und in der Medizintechnik erwartet. Die Ausweitung der Sozialversicherung auf neue Bevölkerungsgruppen treibt den Arzneimittelbedarf sowie die Investitionen in öffentliche Krankenhäuser an. Die steigende Kaufkraft höherer Einkommensschichten und der Gesundheitstourismus aus den USA bedingen auch in der privaten Gesundheitsfürsorge eine Expansion.

Wirtschaftsförderlich wird sich der umfangreiche Infrastrukturausbau auswirken, der sich aufgrund der Wirtschaftskrise 2009 verzögert hatte. Die Regierung unter Präsident Felipe Calderón will Mexiko bis 2030 unter den weltweit 20 Ländern mit der besten Infrastruktur sehen. Derzeit steht das Land laut Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums an 69. Stelle. Auf das hehre Ziel steuert seit 2007 ein nationales Infrastrukturprogramm zu. Etwa zwei Fünftel des Vorhabenkatalogs, der für den Zeitraum 2007 bis 2012 Investitionen im Wert von 234 Mrd. US$ vorsieht, war Anfang 2010 umgesetzt.

Im Wassersektor sollen 2010 für Wasserleitungen und -aufbereitungsanlagen Ausschreibungen im Wert von 1 Mrd. US$ veröffentlicht werden. Ewa 200 neue Kläranlagen sind geplant. Im Energiesektor müssen in den kommenden 15 Jahren neue Kapazitäten mit einer Gesamtleistung von 32,1 GW in das nationale Stromnetz eingespeist werden, um den Verbrauchssteigerungen zu begegnen. Dafür sind nach Schätzungen des Staatsmonopolisten Comisión Federal de Electricidad (CFE) Investitionen in Höhe von 92 Mrd. US$ notwendig. Hier werden auch erneuerbare Energien und vornehmlich die Windkraft eine immer größere Rolle spielen. Bis 2012 sind Windparkkapazitäten von 2 500 MW geplant.

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