Standort Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz: Innovative Kraft in alten Städten

Nur wenige globale Unternehmen haben ihren Sitz in Rheinland-Pfalz. Das machen eine gleichmäßig verteilte Wirtschaftskraft, ein kräftiger Mittelstand, innovative Forschungszentren und die günstige Lage wett. Die besten Wirtschaftszentren in Rheinland-Pfalz nach Ludwigshafen, Mainz und Koblenz finden sich dort, wo man sie nicht erwartet.
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MAINZ. Grau und verlassen liegen die alten Lagerhallen zwischen Schnellstraße und Rhein. Dabei sind es nur ein paar Minuten zu Fuß ins Zentrum. Doch in der Fußgängerzone, geprägt von charakterloser Siebzigerjahre-Architektur, ist auch nicht viel los. Am Stehtisch vor einem Backshop unterhalten sich ein paar Ausländer. Mobilfunkläden warten auf Kundschaft, zwei Ecken weiter schleppen Frauen mit Kopftüchern dicke Plastiktüten aus dem Woolworth. Am liebsten würde man gleich in eines der Reisebüros gehen, nur weg, egal, wohin.

Viel Charme versprüht Ludwigshafen nicht. Mit 12,7 Prozent liegt hier die Arbeitslosenquote deutlich über dem Landesschnitt von 7,4 Prozent. Es ist - nach Pirmasens mit 15,1 Prozent und Kaiserslautern Stadt mit 13 Prozent - die Stadt mit der dritthöchsten Arbeitslosenquote im Land.

Die vier Millionen Einwohner des Bundeslandes werden seit 1994 vom Sozialdemokraten Kurt Beck regiert. Weil dieser im Mai auch den Bundesvorsitz seiner Partei übernahm, ist er auch für die Kanzlerkandidatur prädestiniert. Damit rückt unversehens auch das Land ins bundesweite Interesse; als Referenz, wie es so laufen könnte mit einem wie Beck an der Spitze.

Das Ergebnis ist - auf den ersten Blick- gar nicht so schlecht. Das Bundesland mit den ältesten Städten Deutschlands, nämlich Andernach, Boppard, Koblenz, Mainz, Speyer, Trier und Worms, sieht keineswegs alt aus. So belegte Rheinland-Pfalz im aktuellen Bundesländerranking der "Wirtschaftswoche" in der Dynamik zwar Platz sieben. Doch im Niveauranking erzielt das Land nach Bayern, Baden-Württemberg und Hessen Platz vier. Auch auf dem Arbeitsmarkt hält das Land im Wettbewerb der deutschen Bundesländer Schritt: lediglich in Baden-Württemberg und Bayern zählen die Jobagenturen relativ noch weniger Arbeitslose.

Nur eben für Ludwigshafen, dem mit Abstand stärksten Kraftzentrum des Landes, gilt das ausgerechnet nicht. Der Ausländeranteil liegt bei 19,7 Prozent, und rechnet man die Menschen mit doppelter Staatsangehörigkeit dazu, weisen mindestens 27 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund auf. Jedes zweite Kind, das hier zur Welt kommt, fällt in diese Kategorie. Unter den Ausländern liegt vor allem die Bildung im Argen: 14,3 Prozent der Schulabgänger haben keinen Hauptschulabschluss, und deswegen später auch kaum eine Chance auf einen Job.

Die 165 000 Einwohner Ludwigshafens erwirtschafteten 2004 - an den Zahlen für 2005 rechnet das Statistische Landesamt noch - ein Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 9,3 Milliarden Euro, 80 185 Euro pro Erwerbstätigen. Damit ist die Stadt spitze in Rheinland-Pfalz. Das liegt vor allem an der Anilin, wie sie hier sagen, an der 1865 gegründeten Badischen Anilin- und Soda-Fabrik, kurz BASF, die mit rund 33 400 Beschäftigten in Ludwigshafen den größten Chemiestandort der Welt unterhält.

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