Standortfaktor Handwerk
Internationale Handwerksmesse eröffnet

Die Internationale Handwerksmesse ist am Donnerstag in München eröffnet worden. Doch einem Aufruf an die Politik, den Standortfaktor Handwerk in Deutschland besser zu pflegen folgte prompt das Abwiegeln der Politik.

HB MÜNCHEN. Zum Auftakt zeigte sich der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Heinrich Traublinger, trotz eines schwachen Jahresstarts wegen der Mehrwertsteuererhöhung zuversichtlich. Die Branche hoffe, dass Umsatzrückgänge und Beschäftigungsabbau vorerst vorbei seien. Die Politik rief er auf, den „Standortfaktor Handwerk“ zu pflegen. Wichtig seien neben einer Unternehmenssteuerreform auch der Abbau von Bürokratie und die Absenkung der Lohnnebenkosten. Bei der Messe zeigen mehr als 1000 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen.

Zum Steuerthema bekommen die Handwerker prompt Gegenwind der Länder. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Kurt Beck wies am Donnerstag zur Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse in München den Vorschlag von Handwerkspräsident Otto Kentzler nach einer Erhöhung des Steuerbonus auf 25 Prozent bei Rechnungen von bis zu 4000 Euro zurück. Für solche Forderungen sei angesichts der guten Konjunkturentwicklung jetzt nicht der richtige Zeitpunkt erklärte Beck und erhielt dafür Zustimmung vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Dagegen unterstützte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Forderungen Kentzlers.

Bislang können Privatleute bei bestimmten Bauleistungen 20 Prozent der Rechnung bis zu einem Auftragsvolumen von 3000 Euro steuerlich geltend machen. Der Vorschlag Kentzlers würde bedeuten, dass statt wie bisher bis zu 600 Euro künftig bis zu 1000 Euro von der Steuer absetzbar wären. Seine Forderung begründete Kentzler auch mit einem schwachen Start der Branche ins Jahr durch die Mehrwertsteuererhöhung. „Diese Mehrwertsteuererhöhung bremst uns jetzt aus. Ich hoffe, dass wir den Schwung und die gute Stimmung in diesem Land weiter tragen können.“

Beck erklärte, das Handwerk habe beispielsweise durch Steuersenkungen für Personengesellschaften und das CO2-Gebäudesanierungsprogramm deutliche Impulse erhalten. Angesichts der guten Konjunkturentwicklung sei nun kein weiterer Rückenwind durch staatliche Impulse nötig. Auch finanziell sei der Schritt nicht zu schultern. „Im Moment geht das nicht, Punktum.“ Hinzu komme: „Wenn wir morgen eine Regelung machen, die die Finanzbasis der öffentlichen Haushalte zusätzlich belastet, wird das Handwerk der erste Leidtragende sein.“

Auch Stoiber dämpfte die Erwartungen des Handwerks angesichts von Milliarden-Belastungen beispielsweise durch die Unternehmenssteuerreform und Mehrausgaben für die Kinderbetreuung. Die einzelnen Reformschritte müssten nacheinander und nicht alle gleichzeitig vorgenommen werden, erklärte Stoiber. „Die Unternehmenssteuerreform wird schwer genug sein.“

Dagegen unterstützte Glos Kentzlers Position. Er habe sich auch mit einem entsprechenden Brief an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) gewandt, sagte der Wirtschaftsminister. Zwar habe er „Verständnis dafür, dass der Finanzminister nicht alle Wünsche erfüllen kann“. Durch den Steuerbonus könnten aber zusätzliche private Aufträge angeschoben werden, die zudem als legale Leistungen und nicht in Form von Schwarzarbeit erbracht würden, was zusätzliche Steuereinnahmen schaffe. „Das muss man berücksichtigen“, sagte Glos.

Die Verlängerung des Ausbildungspaktes begrüßten alle Seiten. Das System der dualen Ausbildung in Deutschland müsse erhalten werden, sagte Kentzler. Glos sagte, es zeichne sich bereits jetzt ein wachsender Fachkräftemangel in Deutschland ab. Es gehe nicht nur darum, jungen Menschen Ausbildungs- und Berufschancen zu geben, sondern auch den „Altbestand“ abzubauen und dabei auch Hartz-IV- Empfänger wieder an Berufe heranzuführen.

Bei der I.H.M. zeigen bis kommenden Mittwoch (14. März) mehr als 1000 Aussteller Produkte und Dienstleistungen rund ums Bauen, Einrichten und Wohnen. Die Schau gilt als internationale Leitmesse der Branche mit 4,8 Mill. Beschäftigten in Deutschland.

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